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Kohlekraftwerk Mellach
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Energiewirtschaft

Was die Rückkehr zur Kohle bringt

Zwei Jahre nach dem Kohle-Ausstieg macht Österreich unter einer grünen Energieministerin die Kehrtwende. Eine Lösung für das Gas-Problem bringt das aber nicht.

Wohl kaum eine politische Handlung symbolisiert die Zeitenwende durch den Krieg in der Ukraine so gut wie die Wiederinbetriebnahme des Kohlekraftwerkes Mellach durch die grüne Klimaschutzministerin Leonore Gewessler. Sie selbst habe erst vor zwei Jahren das letzte Kohlestück aus Mellach ins Museum gebracht, erklärte Gewessler am Sonntagabend. Doch die Zeiten hätten sich geändert. Was von der Opposition als „Verzweiflungsakt“ gewertet wird und bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber, der Umweltschutzorganisation Global 2000, großen Widerspruch hervorruft, ist für Gewessler eine notwendige Vorbereitungsmaßnahme für den „Notfall“. Sie ist damit auf Linie mit ihrem deutschen Pendant Robert Habeck (auch von den Grünen), der am Sonntag ebenfalls die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Kohlekraftwerke verkündete (siehe auch Seite 13). Aber was kann dieses Kraftwerk eigentlich bewirken? Und welche Auswirkungen auf den Klimaschutz gibt es?

Was hat die Bundesregierung konkret beschlossen?


Die Regierung gab dem teilstaatlichen Verbund den Auftrag, das Kraftwerk Mellach südlich von Graz von Gas wieder auf Kohle umzurüsten. Das ist laut Verbund technisch möglich und in einigen Monaten machbar. Mellach war das letzte Kohlekraftwerk des Landes und wurde im März 2020 stillgelegt und danach auf den Betrieb mit Gas umgerüstet (direkt neben dem Kraftwerk steht auch das moderne Gaskraftwerk Mellach). Da Kohle auf dem Weltmarkt von verschiedensten Anbietern – darunter auch westliche Länder wie Australien oder Polen – angeboten wird, wäre dies eine alternative Möglichkeit, sollte es im Herbst oder Winter zu einer Unterbrechung der Gasversorgung durch Russland kommen. Allerdings gibt es auch hier eine ganze Reihe an offenen Fragen. So ist der Weltmarkt für Kohle seit dem Ausbruch des Krieges ebenfalls angespannt. Zudem ist unklar, wer für diese auf Vorrat gekaufte Kohle bezahlt. Ein Jahresverbrauch von 400.000 Tonnen kostet derzeit etwa 130 Millionen Euro. Zudem fehlt dem Verbund ausgebildetes Personal, da dieses mit der Abschaltung des Kraftwerkes großteils in Pension gegangen ist.