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Maßnahmenpaket

Volksschule: Deutschförderung wird ausgebaut

Ältere ukrainische Schüler und jene mit Deutschförderbedarf in der Primarstufe sollen mehr Förderung erhalten.
Ältere ukrainische Schüler und jene mit Deutschförderbedarf in der Primarstufe sollen mehr Förderung erhalten.(c) REUTERS
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Ein Maßnahmenpaket des Bundes fokussiert auf ukrainische Schüler ab zwölf Jahren sowie außerordentliche Schüler in der Primarstufe. Noch bis Herbst evaluiert wird die Frage, ob die Deutschförderung generell Reformbedarf hat.

Seit es sie gibt, trifft sie Kritik: Dass die 2018 unter Türkis-Blau eingeführten Deutschförderklassen das Sprachniveau effizient erhöhen, wird regelmäßig von Experten angezweifelt. Sie werden in einer Schule immer dann eröffnet, wenn mehr als acht Schüler den Status „außerordentlich“ (a.o.) erhalten, weil diese dem Unterricht aufgrund ihrer mangelnden Deutschkenntnisse nicht folgen können. Fast zwei Drittel aller 32.000 förderbedürftigen Schüler in Österreich werden allerdings in integrativen Deutschförderkursen unterrichtet.

Auch deshalb befindet sich die Deutschförderung aktuell in Evaluierung. Noch bevor Ergebnisse vorliegen, will nun aber das Bildungsministerium vermehrt jüngere Schüler mit Deutschförderbedarf bzw. jene, die aus der Ukraine geflüchtet sind, fördern. Dazu präsentierte Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) am Dienstag mit der Bildungssprecherin der Grünen, Sibylle Hamann, dem ÖVP-Bildungssprecher, Rudolf Taschner, sowie dem noch bis Ende Juni tätigen Flüchtlingskoordinator Michael Takács ein Maßnahmenpaket.

Ukrainische Schüler

Dieses zielt zum einen auf die rund 11.000 ukrainischen Schüler ab. Schon seit Ende Mai gibt es an AHS und BHS vom Bund finanzierte und aus dem Jahr 2015 bereits bekannte „Übergangslehrgänge“, die sich an nicht mehr schulpflichtige Schüler aus der Ukraine richten. Sie sehen 27 Wochenstunden vor, wobei Deutsch mit 15 den größten Anteil einnimmt. Besucht werden dürfen sie ab zwölf Jahren von maximal 20 Teilnehmern pro Gruppe.

Laut Wiener Bildungsdirektion besuchen derzeit 38 Schüler den Lehrgang. Nur in Wien werden sie bereits angeboten. Im September sollen sie auch in den restlichen Bundesländern starten. Polaschek nannte die Kurse am Dienstag eine „sinnvolle Ergänzung“ zur Sommerschule, die ein zusätzliches Angebot für die Geflüchteten sei. Diese startet am 22. August bzw. 2. September in ihr drittes Jahr.

Außerordentliche Schüler

Die zweite Maßnahme setzt bei den a.o. Schülern in der Primarstufe an. Als solche werden Schüler nur in jenen Fächern benotet, in denen sie eine positive Note erhalten. Ihren außerordentlichen Status verlieren sie aber nach maximal zwei Jahren automatisch; auch dann, wenn sie die Mika-D-Tests, die ihren Kenntnisstand überprüfen, nicht bestanden haben.
Künftig sollen aber auch Schüler Anspruch auf Förderung haben, die den Status verloren haben. Das habe man im Regierungsprogramm festgeschrieben, sagte Hamann am Dienstag. Das betreffe zwar nur wenige, infolge der Pandemie sei die Zahl jedoch gestiegen. Der jeweilige Förderbedarf soll von den Schulleitungen mittels Mika-D-Tests sowie kontinuierlicher Sprachstandsbeobachtung ermittelt werden.

Die Verteilung der Mittel (Planstellen) auf die Länder erfolgt entsprechend dem Anteil an a.o. Schülern im Verhältnis zur Gesamtschülerzahl. Zum Zug dürften vor allem urbane Ballungszentren kommen. 4,5 Millionen Euro sind budgetiert. Schon im kommenden Schuljahr sollen sie ausgeschüttet werden. Ein entsprechender Entschließungsantrag wurde von ÖVP und Grünen in der Vorwoche im Nationalrat eingebracht.

Wird Deutschförderung neu aufgestellt?

Der größer werdende Personalmangel droht dem Fördervorhaben unterdessen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Für die Sommerschule und auch für die Übergangslehrgänge sei man vorerst guter Dinge, ausreichend Externe, sprich Studierende, zu finden, beteuerte Polaschek.

Wie es langfristig mit der Deutschförderung weitergeht, ist aber offen. Die für die Evaluierung zuständige Bildungspsychologin, Christiane Spiel, gibt sich auf „Presse“-Nachfrage noch bedeckt. Ein Vorbericht findet sich auf der Website des Ministeriums. Erste Ergebnisse sollen im Herbst folgen. Aktuell spricht Polaschek noch von einem „guten System“.