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Strengere Vorgaben

Green Deal der EU setzt Lackindustrie unter Druck

Die strengere Regulierung von Stoffen macht Umformulierungen notwendig und verursacht hohe Kosten.

Der Green Deal der Europäischen Union bringt auch in der Lackindustrie große Veränderungen. Die darin enthaltene Chemikalienstrategie sieht strengere Regulierungen vor, die unter anderem die Verwendung bestimmter Stoffe beschränken. Die dadurch notwendige Umformulierung von Lack-Rezepturen ist zeit- und kostenintensiv: "Die neue Chemikalienstrategie bringt uns gehörig unter Druck", sagte Branchenvertreter Klaus Schaubmayr am Dienstag auf einer Pressekonferenz.

"Wir können die Ziele aus dem Green Deal natürlich unterschreiben, wir müssen schauen, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen", so Schaubmayr. Gleichzeitig seien viele der Vorschläge zur strengeren Regulierung oft kurzfristig entstanden und deshalb nicht gut durchdacht. Ziel der Lackindustrie seien sichere Produkte, bei denen das Risiko so gering wie möglich ist. "Jeder, der in der Naturwissenschaft tätig ist, weiß, dass es ein Null-Risiko nicht gibt", so der Geschäftsführer der Berufsgruppe Lackindustrie im Fachverband der Chemischen Industrie Österreich.

Zur Nachhaltigkeit tragen Lacke und Anstrichmittel bei, indem sie etwa den Spritverbrauch von Autos, Lkws, Zügen, Schiffen und Flugzeugen reduzieren, die Energieausbeute bei Windkraftanlagen erhöhen oder als Korrosionsschutz die Nutzungsdauer von Strommasten verlängern. "Wir sehen, dass enorme Kosten auf uns zukommen werden durch die Umformulierungen, die notwendig werden", viele Stoffe werde man nicht mehr nutzen können. Von den 2000 bis 4000 Stoffen, die in der Lackindustrie verwendet werden, könnten zehn bis 15 Prozent wegfallen. Dadurch sei auch die Verfügbarkeit vieler Farben, Lacke und Druckfarben zukünftig gefährdet, so Schaubmayr.

Lackindustrie fordert Planungssicherheit

Die Lackindustrie fordert deshalb Planungssicherheit im Chemikalienrecht: "Es müssen klare Aussagen gemacht werden, wo wir Rahmenbedingungen haben, mit denen wir arbeiten können", sagte der Obmann des Fachverbandes der Chemischen Industrie, Hubert Culik. Schaubmayer hofft, dass sich die Branche "da gut einbringen und mitgestalten" kann.

Das Jahr 2021 hat die österreichische Lack- und Anstrichmittelindustrie gut hinter sich gebracht. Das Geschäft habe sich positiv entwickelt, der Umsatz legte um 16,3 Prozent auf 551 Mio. Euro zu. "Wir konnten uns 2021 von der Coronakrise deutlich erholen", sagte Culik. Preissteigerungen und Engpässe bei Rohstoffen hätten die Entwicklung allerdings gedämpft.

Im heurigen Jahr 2022 habe sich die Rohstofflage etwas entspannt, einzelne Rohstoffe seien aber immer noch schwer verfügbar. Grund dafür seien vor allem die Lockdowns in China und der Krieg in der Ukraine. Die Preise würden sich nun auf einem hohen Niveau halten, aber nicht weiter steigen. Die Auslastung sei insgesamt gut, lediglich jene Betriebe, die die Autobranche beliefern, hätten Probleme, weil dort weniger produziert werde. Bei der Auftragslage rechnet Culik nach dem Sommer mit einem Knick, erst dann würden die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die gesamte Wertschöpfung voll durchschlagen.

Eine Prognose für das laufende Jahr sei derzeit aufgrund der Unsicherheiten in Verbindung mit dem Krieg, den hohen Energiepreisen und den Problemen in der Lieferkette nicht möglich.

(APA)