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Morgenglosse

Die Hofburg hat sich ernsthafte Herausforderer verdient

Nur Gerald Grosz und Marco Pogo wollen bisher gegen Alexander Van der Bellen antreten. Gerade von den vom Steuerzahler hoch dotierten Großparteien sollte man aber erwarten, dass sie Kandidaten für das höchste Amt im Staate aufstellen.

Nach Marco Pogo von der Bierpartei will nun auch noch Ex-BZÖ-Politiker Gerald Grosz für die Hofburg kandieren. Da wird Amtsinhaber Alexander Van der Bellen aus dem Zittern gar nicht mehr herauskommen.

Zur Erinnerung: Pogo forderte, den Hochstrahlbrunnen am Wiener Schwarzenbergplatz durch einen Bierbrunnen zu ersetzen. Grosz ist Stifter der Jörg-Haider-Medaille, nun will er sich als Kämpfer gegen die Korruption positionieren. Neben eigenen provokanten Ansagen - zuletzt zum Ukraine-Konflikt - war Grosz in seinen Parlamentszeiten auch ein Reibebaum für andere Parteien. Ein SPÖ-Mandatar diagnostizierte Grosz sogar einmal, im Sternzeichen „Krokodil“ zu sein („große Pappen, kleines Hirn“).

Nun muss man Pogo und Grosz eine Begabung zugestehen, wenn es darum geht, sich zu inszenieren und aufzufallen. Das kann nicht schaden, wenn es darum geht, die nötigen 6000 Unterschriften für eine Kandidatur zu erreichen. Also, sofern die Pogo-Fans es schaffen, dessen bürgerlichen Namen Dominik Wlazny auf die Unterstützungserklärung zu schreiben. Und Wlazny und Grosz haben beide auch (teils) ernst gemeinte politische Forderungen auf Lager. Aber nicht einmal in einem Land, in dem Richard Lugner 1999 fast zehn Prozent bei einer Bundespräsidentenwahl erreichte, darf man Pogo/Wlazny und Grosz als ernsthafte Anwärter für das höchste Amt im Staate betrachten.

Solche ernsthaften Anwärter könnten die traditionellen Fraktionen - allen voran die sich gern mit dem Attribut „staatstragend“ schmückenden Großparteien ÖVP und SPÖ - leicht aufstellen. Aber bis auf die FPÖ wollen alle Parlamentsparteien auf eine Kandidatur pfeifen. Dabei hat Österreich eine der höchsten Parteienförderungen der Welt. Aber das Geld verwendet man lieber für den Parteiapparat und andere Urnengänge als für den ebenfalls wichtigen demokratischen Akt der Präsidentschaftskür. Zu groß ist die Gefahr, bei einer Kandidatur gegen den 78-jährigen Amtsinhaber alt auszuschauen. Aber Demokratie bedeutet nun einmal auch, dass man antritt, ohne sich eines Sieges gewiss zu sein.

Warum es freilich gerade bei der Hofburgwahl keine Wahlkampfkostenrückerstattung gibt, während das Füllhorn des Steuerzahlers sich sonst so üppig über die Parteien ergießt, ist aber auch nicht einzusehen. Das erschwert auch die Kandidatur parteiunabhängiger Personen, die bereit wären, dem Land in der Hofburg zu dienen. So gesehen muss man Pogo und Grosz fast schon wieder Respekt zollen, wenn sie eine Kandidatur auf eigene Faust wagen wollen. Eine Bundespräsidentenwahl hätte sich aber ernsthafte Herausforderer verdient. So, wie auch ein etwaiger, neuer Wahlsieg Van der Bellens für seine Reputation mehr wiegen würde, müsste er dafür größere politische Schwergewichtler als Marco Pogo und Gerald Grosz bezwingen.

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