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Serie: Gefühlssache

Bisexuell: Vielfältig, aber unsichtbar

Das B in LGBTQIA+ rangiert eigentlich an prominenter Stelle im Akronym. Trotzdem sind bisexuelle Menschen oft unsichtbar, und das innerhalb und außerhalb der queeren Community. Warum das so ist, lotet die Psychologin Julia Shaw in „Bi“ aus.

Bisexuelle Menschen gelten auch heute noch als unentschlossen oder im schlimmsten Fall verwirrt, als sexuell (zu) offenherzig, untreu oder psychisch instabil. „Diese Stereotype kommen daher, dass die meisten Menschen wenig über Bisexualität wissen und wir zu wenig über Bisexualität sprechen“, erklärt das die promovierte Rechtspsychologin und Autorin Julia Shaw gegenüber der „Presse“. „Man kennt vielleicht keine bisexuellen Menschen, oder kennt nur Menschen, die sich zuerst als bi, und später als lesbisch oder schwul geoutet haben.“

Auch Shaw selbst ist bisexuell. Sie hat das fehlende Wissen über die eigene Identität sogar dazu bewegt, sich intensiv mit queerer Geschichte auseinanderzusetzen, eine eigene Forschungsgruppe, die „Bisexual Research Group“, zu gründen und ein Buch darüber zu schreiben: „Bi. vielfältige Liebe entdecken.“ 

Unsichtbarkeit und kein Coming-out

Das fehlende Wissen über Bisexualität begründet Shaw mit einer gewissen Unsichtbarkeit von Betroffenen, auf Englisch auch „bi-erasure“. Und das, obwohl Bisexuelle eigentlich die größte sexuelle Minderheit innerhalb des LGBTQIA+-Spektrums (Lesbians, Gays, Bisexuals, Trans,  Queer, Inter, Asexuals) ausmachen. „Die meisten Menschen leben in monogamen Beziehungen, und zwei Menschen machen Bisexualität einfach nicht sichtbar. Bin ich mit einer Frau zusammen, wird angenommen, ich bin lesbisch, bin ich mit einem Mann zusammen, wird angenommen, ich bin heterosexuell.“

Auch innerhalb queerer Communitys sind bisexuelle Menschen oft wenig präsent, meint Shaw. „Auch hier gibt es viele Sprüche wie, ach, das ist nur eine Phase, oder den Vorwurf an Frauen, ihre Bisexualität sei nur performativ. Also man sei quasi Touristin in der Lesbenbar.“ Annahmen, die schwerwiegende Folgen haben können. „Denn wenn es heißt, dieser Ort ist nicht für dich, dann entzieht man sich auch aus diesen Communitys und isoliert sich.“ Gerade deswegen braucht es auch eigene Räume, die zur Sichtbarkeit bisexueller Menschen beitragen, wie etwa die österreichische Initiative „Visi-Bi-lity Austria“ oder den internationalen Bi Visibility Tag am 23. September.

Die Serie „Gefühlssache“ erscheint immer mittwochs und beschäftigt sich mit Themen rund um zwischenmenschliche Beziehungen, Sexualität und Selbstliebe. Alle Texte finden Sie unter diepresse.com/gefuehlssache. Geschrieben wird sie von Eva Dinnewitzer, Christine Mayrhofer und Sissy Rabl. Bei Fragen, Anmerkungen, Themenvorschlägen und Kritik schreiben Sie uns gerne an diese E-Mail-Adresse: schaufenster@diepresse.com.

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