Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Jahresbericht

Rassismus ist häufigster Grund für Diskriminierung an Schulen

Die Presse, Fabry
  • Drucken

Im Vorjahr wurden 121 Diskriminierungsfälle gemeldet. Selten ist dagegen die Zivilcourage: In nur fünf Prozent der Fälle griffen Dritte oder indirekt Involvierte ein.

Ethnische Herkunft bzw. Rassismus bleibt in Österreich der häufigste Grund für Diskriminierung an Bildungseinrichtungen. Das zeigt der am Dienstag präsentierte Jahresbericht 2021 der Initiative für ein diskriminierungsfreies Bildungswesen (IDB). Konsequenzen haben gemeldete Übergriffe praktisch nie. Auch Zivilcourage ist selten: In nur fünf Prozent der Fälle griffen Dritte oder indirekt involvierte Personen ein.

Insgesamt wurden dem gemeinnützigen Verein 2021 über diverse digitale Kanäle und Partnerorganisationen 121 Diskriminierungsfälle gemeldet. Das ist noch einmal deutlich weniger als im Jahr davor, als aufgrund coronabedingter mangelnder Präsenz an den Bildungseinrichtungen die Zahl eingebrochen war. Die Zahlen sind nicht repräsentativ, sollen aber die Aufmerksamkeit auf das Thema lenken und Personen ermutigen, sich zu melden und ihnen zu zeigen, dass sie nicht allein sind, so IDB-Vorstandsmitglied Persy Lowis-Bulayumi bei einer Pressekonferenz am Freitag.

Sieben Prozent betrifft Diskriminierung wegen Sexualität

In 82 Prozent der gemeldeten Fälle wurden im Vorjahr Menschen aus rassistischen Motiven diskriminiert. Sieben Prozent betrafen Diskriminierungen aus Gründen der sexuellen Orientierung, sechs Prozent aufgrund einer Behinderung. In knapp zwei Drittel der Fälle waren Lehrkräfte bzw. Trainerinnen oder Trainer in Deutschkursen oder der Erwachsenenbildung die Täter, bei 13 Prozent die Mitschüler, auch strukturelle Diskriminierungen wurden gemeldet.

Als Beispiele zählt der Jahresbericht unter anderem die Verwendung des Worts "Zigeuner" auf oder Aussagen wie "Dumme Musliminnen aus Syrien und Afghanistan kriegen alles" und "Moslems haben weder Sprache noch Kultur, deshalb hat ihr Gehirn weniger Fassungsvermögen". Ausgerechnet die Leiterin eines Gender- und Diversityseminars wiederum habe in ihrem Kurs die Meinung geäußert, dass "Transsexuelle zu sehr mit sich selbst beschäftigt" seien.

Die meisten Meldungen in der Sekundarstufe 1

Ort des Geschehens waren laut Meldungen am öftesten die Sekundarstufe 1 (Mittelschulen, AHS-Unterstufe, Sonderschule) mit 29 Prozent, gefolgt von "sonstigen Einrichtungen" (v.a. Deutschkurse) mit 23 Prozent, der Sekundarstufe 2 (v.a. Oberstufen) mit 17 Prozent und Unis (zehn Prozent).

Die IDB hat einen 11-Punkte-Plan vorgelegt, um Diskriminierung im Bildungssystem zurückzudrängen. Die Vorschläge umfassen u.a. eine Erhebung, wo und wie Diskriminierung an den Schulen vorkommt sowie die Schaffung einer unabhängigen Melde- und Beschwerdestelle nach Wiener Vorbild in allen Bundesländern. Außerdem sollten mehr queere Lehrkräfte bzw. solche mit Migrationshintergrund oder aus religiösen Minderheiten aufgenommen werden. Gleiches gelte für die Ernennung von Direktorinnen und Direktoren - so gebe es etwa in einer Millionenstadt wie Wien keinen Schulleiter mit schwarzer Hautfarbe. Lehrkräfte wiederum sollten verpflichtend eine Aus- und Fortbildung in den Bereichen Deutsch als Fremd- bzw. Zweitsprache, interkulturelle Kompetenzen und gendersensible Pädagogik machen müssen.

(APA)