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Interview

Klimaökonom Edenhofer: „Die hohen Preise sind auch eine Chance“

„Es braucht eine neue industrielle Revolution“, sagt Ottmar Edenhofer (r.).
„Es braucht eine neue industrielle Revolution“, sagt Ottmar Edenhofer (r.).(c) Die Presse/Clemens Fabry
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Ob der Krieg die Energiewende bremse oder beschleunige, liege an der Politik, sagt Klimaökonom Ottmar Edenhofer. Er pocht auf eine rasche Einführung der CO2-Preise und mehr Ehrlichkeit gegenüber den Bürgern.

Die Presse: Nach vier Monaten Ukraine-Krieg nähern sich die Preise für fossile Energie neuen Rekordniveaus: Ist das in Ihren Augen eher eine Chance oder eine Gefahr für den Kampf gegen die Erderwärmung?

Ottmar Edenhofer: Beides. Es ist eine Gefahr, weil viele den Eindruck haben, dass steigende fossile Ressourcenpreise ein schlechter Moment sind, um Klimaschutz fortzuführen. Es ist aber auch eine Chance, weil eine schnellere Klimawende die Abhängigkeit von Öl und Gas verringern könnte. Das hängt ganz von den politischen Entscheidungen ab.

Europas Regierungen suchen derzeit vor allem nach Wegen, auf die steigenden Preise für Erdöl und Erdgas zu reagieren. Deutschland verbilligt mit dem Tankrabatt fossile Brennstoffe, Österreich verschiebt die Einführung des CO2-Preises. Ist das der richtige Weg?

Nein, und ich warne ganz klar vor solchen Schritten. Der Eingriff in den Preismechanismus ist etwas, was viele Politiker in der Krise lieben, aber ganz schlecht ist. Wenn wir jetzt einen Preisdeckel auf Gas oder Benzin machen, ist die Nachfrage ja immer noch höher als das Angebot, und im krassesten Fall muss der Brennstoff dann rationiert werden, gerade weil er künstlich billiger gemacht wurde. Viel besser wäre es, wenn wir uns darauf vorbereiten, dass die Gaspreise stark steigen, und Haushalte mit niedrigem Einkommen über umfassende soziale Ausgleichszahlungen statt über den Preis entlasten.

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Manche argumentieren, die fossile Preisexplosion der letzten Monate mache zumindest die geplante CO2-Bepreisung unnötig.

Das ist Unsinn. Auf europäischer Ebene brauchen wir einen CO2-Preis, weil der Gaspreis schneller steigt als der Preis für Kohle. Dadurch gibt es einen Anreiz, zur klimaschädlicheren Kohle zurückzukehren, und das muss über einen höheren CO2-Preis im Emissionshandelssystem ausgeglichen werden. Dieses Preissignal ist unbedingt notwendig, wenn wir den Ausstoß von Treibhausgasen im Griff haben wollen. Bei Öl und Gas muss das Ziel sein, dass wir die Nachfrage drastisch nach unten drücken und diversifizieren. Deshalb ist es notwendig, jetzt CO2-Preise einzuführen, weil sie Anreize für Investitionen und Innovationen setzen, um von den Fossilen wegzukommen.

Ist der Preis dafür das beste Mittel? Kritiker meinen ja, dass die Wirkung begrenzt sei und es stattdessen starke regulatorische Eingriffe brauchte.