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Ein russischer Soldat fotografiert die Ruinen des Theaters in Mariupol. Obwohl hier eindeutig Zivilisten Zuflucht gesucht hatten, wurde das Gebäude im März bombardiert. Die Anzahl der Opfer ist unklar.
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Ukraine

Die Jagd nach den Kriegsverbrechern

In einer beispiellosen Recherche sammeln ukrainische Behörden, eine Reihe von Staaten, NGOs, Aktivisten und auch die UNO Beweise für die Verbrechen russischer Soldaten in der Ukraine. Doch was folgt danach?

Knapp 30 Tage im kalten Keller der örtlichen Schule, Yahidne, südlich von Chernihiw. Manche verstarben, wegen Hunger, Schwäche und Krankheiten, andere wurden von russischen Soldaten erschossen. Das erzählen die Kellerwände, einige der mehr als 360 Geiseln kritzelten Namen und Daten der Toten, und auch ihre eigenen Adressen an den feuchten Verputz. Mit einer Handykamera nahm jemand auf, unter welchen miserablen Bedingungen die Zivilbevölkerung hier hausen musste. Toiletten gab es keine. Essen wurde nur spärlich verteilt, erzählen Überlebende, die Toten wurden in einem Boilerraum aufeinandergestapelt, wo sie tagelang verwesten.

Angesprochen auf Yahidne sprach ein leicht gereizter Sergej Lawrow in einem BBC-Interview von „fake news“, die der „Westen“ verbreite, die derselbe „Westen“ den Vereinten Nationen als Wahrheit und Verbrechen unterjuble. Ob Russland also eine weiße Weste habe, fragte Journalist Steve Rosenberg nach. „Russland hat keine weiße Weste“, empörte sich der Außenminister, „Russland ist, wie es ist, und wir schämen uns nicht zu zeigen, wer wir sind.“ Worte, die in Butscha, Irpin und Yahidne dunkel nachhallen, an allen Orten in der Ukraine, die Schauplatz mutmaßlicher Kriegsverbrechen waren – und sind. Und überall dort, wo die Überlebenden in der Lage dazu sind, dokumentieren sie die Gräuel, die sie gesehen, erfahren haben. Und nicht nur sie.