Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Pandemie

Der Rückweg nach dem Suizidversuch

Es sei wichtig, immer den Einzelfall zu beleuchten, sagt Psychotherapeutin Beate Bauer vom Familienzentrum der Caritas in Wien.
Es sei wichtig, immer den Einzelfall zu beleuchten, sagt Psychotherapeutin Beate Bauer vom Familienzentrum der Caritas in Wien.Caio Kauffmann
  • Drucken

Seit Beginn der Pandemie sind Depressionen und Angstzustände, aber auch Suizidgedanken bei Jugendlichen gestiegen. Das sofortige Hilfesuchen ist das Wichtigste, wenn sich Betroffene in einer Abwärtsspirale oder einer scheinbaren Ausweglosigkeit wähnen. Die Nachfrage nach Therapieplätzen und Beratungsangeboten ist gestiegen. ✒

Für Daniela Mayer teilt sich die Konstante des Menschenlebens in ein Davor und Danach. Das Davor, das war das Leben in seinen gewohnten Bahnen, mit ihr, ihrem Job, ihrer Tochter, den Katzen, mit dem Auf und Ab des Alltags. Im vergangenen Dezember brach das Danach über Mayer herein. Mit einem Anruf bei der Rettung, mit der Akutversorgung, mit dem Krisenzentrum, mit der qualvollsten aller Fragen, mit der sie von nun an schlafen ging und aufwachte: Warum will meine Tochter nicht mehr weiterleben? Mayer sagt: „Ich bin unglaublich dankbar, dass es nicht funktioniert hat.“ Das Danach, das ist für Mayer und ihre 16-jährige Tochter das tägliche Ringen, die Stränge des Lebens zusammenzuhalten.

Daniela Mayer, sie möchte ihren richtigen Namen nicht nennen, lebt heute „wie in einem Vakuum“. Sie sagt, sie wisse nicht mehr, wie das Leben funktioniert, sehe ihre Tochter an und denke sich: „Es geht ihr nicht gut.“ Sie führe ein Leben mit dem Wissen, dass sich das Erlebte jederzeit wiederholen könne. Als sich bei ihrer Tochter eine schwierige Phase angekündigt hatte, war Mayer stets um Hilfe und Beratung bemüht. Schulwechsel während der Coronazeit, Unterricht am Computer mit schwindendem Schulerfolg – später, nach langer Suche, eine Lehrstelle, doch dort fand sie keinen Anschluss. Den fand sie stattdessen in einer Gruppe mit Drogenerfahrung. Während dieser Zeit wurde bei der damals 15-Jährigen bereits eine schwere Depression diagnostiziert. In die Anfangsphase, als die Medikation noch nicht ganz angepasst war, fiel der Suizidversuch.