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Winterstart für die Wettergeschichte

Winterstart fuer Wettergeschichte
(c) Clemens Fabry
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Mehrere Mittelmeertiefs hintereinander brachten im Tal bis zu 62 Zentimeter Schnee. In den Büchern der Meteorologen kommt so etwas alle zehn bis 15 Jahre vor. Teile des Landes standen abschnittsweise still.

Meteorologen mögen Schneefall. Denn wenn andere Erwachsene fluchen und Kinder jubeln, sind sie gefragt wie sonst nur selten. Wird Weihnachten weiß? Kommt noch mehr? Bleibt der Schnee liegen? Bei Wetterdiensten wie dem privaten Ubimet oder der staatlichen Zentralanstalt für Meteorologie glühten am Freitag die Drähte. Journalisten und Bürger wollten alle gleichzeitig wissen, wie's dazu kam, was überhaupt geschah und wie's denn nun weitergeht.

Angesichts dessen, was da zuletzt buchstäblich über das Land hereinbrach, kamen sogar abgebrühte Wetterfrösche ins Schwärmen und griffen zu Superlativen. So gab die amtliche Zentralanstalt schon in der Nacht auf Freitag eine Schneewarnung heraus, bei Ubimet sprach man von einem „Adventbeginn für die Wettergeschichte“. Schneefälle wie diese, sagt Meteorologe Andreas Schmölz, kämen Anfang Dezember nur alle zehn bis 15 Jahre vor, das letzte Mal also im vergangenen Jahrtausend. Ungewöhnlich sei auch die dichte Abfolge von Mittelmeertiefs, die zuletzt im Zwei-Tages-Rhythmus vor allem im Süden und Osten des Landes für starke Niederschläge gesorgt haben.

 

Drei Meter Schnee in den Bergen

Die Auswirkungen am Boden waren beachtlich. Schon am Freitagvormittag maß die Wetterstation im Kärntner Kötschach-Mauthen Neuschnee in der Höhe von 62 Zentimetern. Dicht dahinter folgte Villach mit 57 Zentimetern. Dort stand die Stadtverwaltung vor dem Problem, dass binnen kürzester Zeit die Lagerplätze für Schneemassen ausgingen. Der Bürgermeister berief einen Krisenstab sein.

Oben, in den Bergen, wurden die Dimensionen dann zurechtgerückt. Am Sonnblick fielen 2,20 Meter, in den Karawanken zur slowenischen Grenze gleich drei.

Im Vergleich dazu kamen die übrigen Landesteile zumindest mengenmäßig harmlos davon. Von Innsbruck bis Wien fielen im Tal zwischen 15 und 20 Zentimeter Neuschnee. Umso größer waren jedoch die Auswirkungen. In Tirol kollidierte ein Schneepflug bei dichtem Schneetreiben mit der Zillertalbahn. Sechs Personen wurden verletzt. Auf praktisch allen Schnellverbindungen gab es Unfälle im Minutentakt. Den schwersten auf der A10 Tauernautobahn. Bei Feistritz/Drau kollidierte ein Lkw mit mehreren Pkw. Die Folge: drei Schwerverletzte. Im Wechselabschnitt (A2 Südautobahn) herrschte für Lkw Kettenpflicht, die Wiener Außenringautobahn (A22) war bis in den Nachmittag hinein für Schwerfahrzeuge zur Gänze gesperrt. Eine Lehre aus dem Chaos vom vergangenen Mittwoch. Damals hatten sich auf den steilen Abschnitten bei Gießhübl und Steinhäusl Lkw auf der Schneefahrbahn quergestellt, was in weiterer Folge die Totalsperre der 38 Kilometer langen Autobahn zur Folge hatte.

In Wien riet die Stadt ihren Bürgern, das Auto stehen zu lassen und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Eben die hatten mit dem Schnee aber auch ihre Probleme. An der Oberfläche geführte Bus- und Straßenbahnlinien standen immer wieder still. Was die Wiener Linien ihrerseits dazu bewog, ihren Fahrgästen das vergleichsweise zuverlässige Verkehrsmittel U-Bahn zu empfehlen. Dort kam es in den überfüllten Stationen zu längeren Wartezeiten beim Ein-, Aus- und Umsteigen.

 

Es wird kalt

Das große Gedränge dürfte aber bald vorbei sein. Für die nächsten Tagen prognostizieren die Meteorologen zwar gelegentlich noch Niederschläge, so große Neuschneemengen wie zuletzt bleiben jedoch aus. Dafür wird es kalt. Am Wochenende sind im Flachland Tiefstwerte von minus zehn Grad möglich, in einigen Alpentälern sogar bis minus 20 Grad. Zudem kann der Wind an manchen Stellen zu Verwehungen führen.

Zu Wochenbeginn wird es in den Niederungen wärmer. In den Skigebieten wird der aktuelle gefallene Schnee aber liegen bleiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2010)