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Randerscheinung

Ein Sommer wie damals

Carolina Frank
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In den Ferien werden wir wieder öfter offline sein, das hat letztes Jahr so gut funktioniert. Oder?

Die Verklärung von Vergangenem ist ja doch ein recht verbreitetes Phänomen. Bei mir beginnt diese aber offenbar schon nach ein paar Monaten. Die Notenkonferenz hat also stattgefunden, der Jüngste ist gerade nach Hause gekommen und wirft seinen Schulrucksack in die Ecke und sich selbst samt Handy auf die Couch. Mit der satten Überzeugung, dass beides nun dort mindestens bis in den Herbst so liegen bleiben wird. „In den Ferien werden wir wieder öfter offline sein“, versuche ich fröhlich-unbekümmert auf die Lage zu reagieren. „Ich werde durchgehend am Handy sein“, sagt er und spielt sein Onlinespiel weiter. „Aber letzten Sommer in Griechenland hat das ohne Handy doch so super funktioniert“, sage ich und meine das auch. Da haben wir nämlich alle fünf vereinbart, nur in der Früh und am Abend einmal online die Lage zu checken, den restlichen Tag aber analog zu genießen.

Gut, am Strand war ausnahmsweise Handy im Flugmodus erlaubt, um Fotos zu machen. Aber alle Essen waren komplett ­handyfrei. So meine Erinnerung. „Das stimmt überhaupt nicht, nur ich hatte kein Handy, weil es bei euch im Zimmer-Safe war“, erzählt der Bub seine Version der Geschichte. Demnach ­hätten sich seine Brüder (außer beim Essen) gar nicht an das Online-Verbot gehalten, ich hätte dauernd gesagt, ich müsste etwas für die „Arbeit“ checken (der Jüngste sagt Arbeit so, dass man die Anführungszeichen hören kann), jedenfalls habe er sich gezwungenermaßen als Einziger an die Abmachung gehalten. Heuer komme das sicher nicht mehr infrage, überhaupt möge er weder die Hitze noch den Strand. Ich lasse das Gespräch an dieser Stelle lieber ausfaden, bringe den Schulrucksack in sein Zimmer und denke dabei noch einmal über den letzten Sommer nach.

("Die Presse Schaufenster" vom 24.06.2022)