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Green Filming

Eine ergrünte Filmpreisverleihung

Am 30. Juni wird der Österreichische Filmpreis verliehen. Über ein „Green Event“, das einen Trend in der Branche anzeigt.

Gerade noch war Regisseurin Clara Stern in New York gewesen, um ihr Spielfilmdebüt „Breaking the Ice“ beim Tribeca-Filmfestival zu promoten. Der „queere Hockey Film, wenn man’s ganz plakativ will“, so Stern, wird im Herbst Premiere feiern. Zurück in Wien widmet sich die junge Filmemacherin in den nächsten Tagen den letzten Vorbereitungen für die Gala zum Österreichischen Filmpreis.

Regisseurin Clara Stern 2022
Regisseurin Clara Stern 2022(c) Carolina Frank

Sie ist die Regisseurin des Abends, der am 30. Juni in Grafenegg unter dem Motto „All together now“ stattfinden wird. „Nach zwei Coronajahren sollte die Gemeinschaft im Vordergrund stehen, das Füreinander und die Frage, wie man auch Menschen vor und hinter die Kamera holt, welche die österreichische Gesamtgesellschaft mehr repräsentieren, als das in Produktionen bisher meist geschehen ist“, sagt Stern zu ihrer Themensetzung.

In 16 Kategorien werden Preise verliehen, gleich in mehrere nominiert wurden der Historienthriller „Hinterland“ von Stefan Ruzowitzky und die beiden Gefängnisdramen „Fuchs im Bau“ von Regisseur Arman T. Riahi und „Die große Freiheit“ unter Regie von Sebastian Meise.

Grün beraten

Der zweite große Themenschwerpunkt des Abends ist der Leitsatz „We believe in Green“. 2020 wurde die Veranstaltung für den Zeitraum von vier Jahren mit dem Österreichischen Umweltzeichen zertifiziert. Antonia Prochaska, Nachhaltigkeitsbeauftragte der Akademie des österreichischen Films, war stark an dem Prozess beteiligt und sieht das Institut in einer Art Vorbildrolle: „In der Branche sind wir Multiplikatoren und müssen den Dialog zum Thema nachhaltige Filmproduktion nach außen tragen.“ Die Gala zum Filmpreis war dafür das Pilotprojekt.

Ebenso Vorreiter, wenn es um den Bereich „Green Filming“ geht, und Kooperationspartner der Filmakademie ist die Lower Austrian Film Commission (LAFC) mit ihrer Initiative „Evergreen Prisma“. Der Verband bildet in mehrwöchigen Schulungen sogenannte Green Consultants — auf Englisch klingt bekanntlich alles zeitgemäßer — aus. Die Ausbildung wendet sich an professionelle Filmschaffende, die das Wissen dann auch direkt ans Set tragen und dort weitergeben. So soll künftig an jedem Set am besten ein Zuständiger für Nachhaltigkeit hinzugezogen werden, der das Thema mitdenkt und einzelne Bereiche bei grüneren Alternativen berät. Um diese Entwicklung zu beschleunigen, hat auch das österreichische Filminstitut nachgezogen und vergangenes Jahr für Förderanträge Handlungsleitfäden zur nachhaltigen Entwicklung von Filmprojekten eingeführt und fordert künftig einen Abschlussbericht zur CO2-Intensität der Dreharbeiten.

Green Filming sei in anderen Ländern längst Standard, sagt Barbara Weingartner. Sie kommt aus der Filmgeschäftsführung, war eine der ersten ausgebildeten Green Film Consultants und betreute das Pilotprojekt von LAFC, „Heimsuchung“ von Regisseur Achmed Abdel-Salam, am Set. „So eine Filmcrew ist ein bisschen wie ein richtig großer Campingtross, der auch viel Müll produzieren kann, wenn niemand darauf achtet“, sagt Weingartner.

Green Consultant Barbara Weingartner
Green Consultant Barbara Weingartnerbeigestellt

Um diesen Effekt zu vermeiden, kann man an kleinen und größeren Schrauben drehen. Das startet bei der Vermeidung von Plastikflaschen und Wegwerfkaffeebechern am Set und geht weiter mit der Zusammenarbeit mit ökologisch arbeitenden Cateringunternehmen, der Einführung eines vegetarischen Tages, der Wahl des Drehorts, des technischen Equipments und der Transportwege. „In jedem Bereich gibt es Verbesserungspotenzial: Kann man das Bühnenbild wiederverwenden, wieder auseinanderbauen anstatt es wegzuwerfen, kann man Requisiten ausleihen, Kostüme aus nachhaltigeren Materialien herstellen, LED-Lampen verwenden, einen Stromgenerator vermeiden, auf einen eigenen Gaderobenwagen verzichten?“, zählt Weingartner auf.

Das „Evergreen Prisma“-Projekt von der LAFC wurde bereits zweimal für seine Arbeit ausgezeichnet, mit dem Europäischen Kulturmarken Award und dem Makers & Shakers Award. Leiterin Dietlind Rott sieht sich auf jeden Fall in ihrem Bemühungen bestätigt: „In Österreich hat sich da in den letzten Jahren viel bewegt, und auch europaweit ist Green Filming zum Trend geworden, weswegen wir uns auch da intensiv vernetzen.“ Antonia Prochaska von der Österreichischen Filmakademie ist auch der Meinung, dass die Umgestaltung der Filmpreis-Verleihung schon Früchte trägt. „Sowohl der Austragungsort Grafenegg als auch unser Caterer Toni Mörwald haben seit unserer Umstellung um die Zertifizierung durch das Umweltzeichen angesucht. Es ist wie eine Art Dominoeffekt.“ Einen weiteren Vorteil sieht Clara Stern darin, dass die Gäste mittlerweile mit dem Shuttle-Bus anreisen: Dort würden nämlich die besten brancheninternen Geschichten und Gerüchte ausgetauscht.