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Kino

Die Lügen der Kriegsreportage

Léa Seydoux als französische Reporterin, die plötzlich Gewissensbisse entwickelt.
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Eine skrupellose Starjournalistin gerät in die Krise und flüchtet aus Afrika in eine Alpenklinik: Über den überraschenden neuen Film „France".

Der französische Kinoregisseur Bruno Dumont gehört zu den unberechenbarsten Vertretern seines Fachs: Während er am Anfang seiner Laufbahn vor allem mit existenzialistischen und mit Laiendarstellern besetzten Psychodramen wie „L'Humanité“ (1999) für Aufsehen gesorgt hat, hat er inzwischen ganz andere Wege eingeschlagen, sich etwa an herrlich absurden Komödien („Die feine Gesellschaft“, 2016) und emanzipatorischen Musicals über historische Persönlichkeiten („Jeanne d'Arc“, 2019) versucht. Unverändert ist das Interesse am Zustand seiner Heimat geblieben.

Da scheint „France“, der Titel seines neuen, besonders überraschenden Films, gut zu passen. Gemeint ist allerdings nicht nur Frankreich, sondern auch dessen bitterböse allegorische Verkörperung: Die Hauptfigur, France de Meurs (Léa Seydoux), ist eine Starjournalistin, die die Ideale ihres Berufs längst hinter sich gelassen hat. Gemeinsam mit ihrer Managerin Lou (Blanche Gardin) sucht sie nicht nach Wahrheit, sondern Aufmerksamkeit. In ihrer Sendung „Un regard sur le monde“ bereist France die Krisengebiete der Welt und fischt dort bar jeglicher politischer Haltung nach den aufregendsten Bildern. Ihre Beziehung zu einem bekannten Schriftsteller ist Fassade, der zehnjährige Sohn wird meist ignoriert. Dumont zeigt France bei der Arbeit: Live aus dem Krieg, beim Dreh einer Reportage über Flüchtende. Oder, gleich zu Beginn, bei einer (erstaunlich nahtlos in den Film hineinmontierten) Pressekonferenz Emmanuel Macrons. Egal, wen France vor ihr Mikro bekommt, alle müssen am Ende agieren, wie ihr Skript es vorsieht. Soldaten werden zu Komparsen, um ihr Leben kämpfende Menschen zu Klickködern.

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