Inflation

Konsumlaune in Europa bricht ein

(c) REUTERS (THOMAS PETER)
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Die hohe Inflation und der Ukraine-Krieg drücken auf die Stimmung. In Deutschland erreicht die Konsumlaune ein Rekordtief, auch in Frankreich brechen die Umsätze ein.

Der Ukraine-Krieg und die hohen Preise treiben die Konsumstimmung in Deutschland auf ein Rekordtief. Das Barometer der Nürnberger GfK-Marktforscher signalisiert für Juli einen Rückgang um 1,2 Zähler auf minus 27,4 Punkte und damit auf den niedrigsten Wert seit Beginn der gesamtdeutschen Umfrage 1991, wie die GfK am Dienstag mitteilte.

Auch unter den französischen Verbrauchern hat sich im Juni die Stimmung weiter eingetrübt. Gegenüber dem Vormonat fiel der Indikator des Statistikamts Insee um drei Punkte auf 82 Zähler, wie Insee am Dienstag in Paris mitteilte. Das ist der niedrigste Wert seit Mitte 2013. Zudem liegt der Indikator nach seinem sechsten Rückgang in Folge deutlich unter seinem langjährigen Durchschnitt von 100 Punkten. Analysten hatten im Mittel 84 Punkte erwartet. 

Im Detail trübte sich die Stimmung durchwegs ein. Die befragten Verbraucher bewerteten ihre Finanzsituation, ihre Sparneigung und ihren Lebensstandard jeweils schlechter. Auch die Beschäftigungschancen wurden etwas ungünstiger bewertet. Die Inflationserwartungen stiegen auf den höchsten Stand seit 2008.

Aktuell beträgt die Inflation in Frankreich nach europäischer Rechnung (HVPI) 5,8 Prozent. Das ist zwar deutlich weniger als in anderen großen Euroländern wie Deutschland. Allerdings ist es für Frankreich ein Rekord seit Einführung des Euro als Buchgeld im Jahr 1999.

Anstieg der Lebenshaltungskosten drückt in Deutschland auf Stimmung

Noch kritischer ist die Situation in Deutschland. "Der anhaltende Krieg in der Ukraine sowie unterbrochene Lieferketten lassen vor allem die Energie- und Lebensmittelpreise explodieren und führen dazu, dass sich das Konsumklima so trüb wie noch nie zeigt", erläuterte GfK-Fachmann Rolf Bürkl. "Vor allem der Anstieg der Lebenshaltungskosten von derzeit knapp acht Prozent drückt schwer auf die Stimmung der Verbraucher."

Das GfK-Barometer sank zum fünften Mal in den ersten sieben Monaten dieses Jahres. Für eine nachhaltige Trendwende beim Konsumklima sei neben einem Ende des Ukraine-Krieges vor allem entscheidend, dass die Inflationsrate von aktuell 7,9 Prozent nachlasse, erklärten die Marktforscher. Danach sieht es allerdings vorerst nicht aus. Wenn das deutsche Statistische Bundesamt am Mittwoch die Inflationsdaten von Juni veröffentlicht, dürfte der Wert nach Prognose von Ökonomen bei 7,9 Prozent verharren.

Weniger größere Einkäufe

"Die Verbraucher sehen nach wie vor ein großes Risiko dafür, dass die deutsche Wirtschaft in die Rezession abrutschen könnte", erklärte die GfK zu den eingetrübten Konjunkturaussichten. Lieferkettenprobleme sowie der Ukraine-Krieg behinderten derzeit die Produktion in Deutschland. Zudem drohe wegen der hohen Inflation der private Konsum als wichtige Stütze für das Wirtschaftswachstum auszufallen. Die Einkommenserwartung setzte im Juni ihre steile Talfahrt fort und rutschte mit minus 33,5 Punkten auf den niedrigsten Wert seit fast 20 Jahren.

Die Bereitschaft für größere Einkäufe sackte ebenfalls ab. Diese sogenannte Anschaffungsneigung fiel auf minus 13,7 Zähler - ein niedrigerer Wert wurde zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise im Oktober 2008 gemessen. "Wenn für Energie und Lebensmittel von den privaten Haushalten deutlich mehr gezahlt werden muss, stehen entsprechend weniger finanzielle Mittel, vor allem für größere Anschaffungen, zur Verfügung", erläuterte die GfK.

(APA/red.)


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