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Verhandlungen

Beschäftigte bei Easyjet Deutschland erhalten acht Prozent mehr Lohn: Inflation sank

Easyjet-Mitarbeiter bekommen eine Gehaltsanpassung, die der hohen Inflation gleich kommt.
Easyjet-Mitarbeiter bekommen eine Gehaltsanpassung, die der hohen Inflation gleich kommt.IMAGO/Political-Moments
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Außerdem erhalten Flugbegleiterinnen und -begleiter Einmalzahlungen in der Höhe von 4000 bis 4500 Euro. Aktuell sank die deutsche Inflation 7,6 Prozent.

Die Beschäftigten des britischen Billigfliegers Easyjet in Deutschland bekommen ab Oktober bis Ende März 2024 acht Prozent mehr Lohn sowie Einmalzahlungen. Verdi habe sich mit der Arbeitgeberseite auf "annehmbare Kompromisse" einigen können, teilte Verhandlungsführer Holger Rößler am Mittwoch mit. Verdi ist die zuständige Gewerkschaft für alle Geschäftsbereiche von Easyjet in Deutschland, dazu zählen Kabine, Cockpit, Technik und Verwaltung.

Die Flugbegleiterinnen und -begleiter erhalten demnach im Oktober eine Einmalzahlung von 4000 bis 4500 Euro. Die Gehälter steigen dann um fünf Prozent, im April 2023 um weitere 3,2 Prozent.

Die Piloten erhalten laut Verdi im Oktober Einmalzahlungen zwischen 1125 und 3000 Euro. Ab Oktober steigen die Gesamtgehälter um 2,5 Prozent, am 1. April 2023 um weitere 2,5 Prozent und am 1. Oktober 2023 erneut um 3,0 Prozent. Im April 2023 gibt es außerdem eine weitere Einmalzahlung von 600 bis 1500 Euro.

Deutsche Inflationsrate sank im Juni auf 7,6 Prozent

Der Preisauftrieb in Deutschland hat sich im Juni etwas verlangsamt. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich nur noch 7,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das deutsche Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen mit einem Anstieg auf 8,0 Prozent gerechnet. Im Mai war die Teuerungsrate mit 7,9 Prozent so hoch ausgefallen wie seit dem Winter 1973/74 nicht mehr.

Energie verteuerte sich im zu Ende gehenden Monat mit 38,0 Prozent nicht mehr ganz so stark wie im Mai mit 38,3 Prozent. Nahrungsmittel kosteten dagegen 12,7 Prozent mehr als im Juni 2021. Hier hat sich der Preisauftrieb noch beschleunigt (Mai: +11,1 Prozent). Für Dienstleistungen mussten 2,1 (Mai: +2,9) Prozent mehr bezahlt werden.

Eine nachhaltige Entspannung bei den Preisen sehen Experten vorerst nicht. "Man darf sich nicht Sand in die Augen streuen lassen", sagte DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Erst ab Jänner 2023 dürfte es dann nach unten gehen, wenn nicht neue Krisen ausbrechen sollten.

In der Wahrnehmung der Verbraucher steigen die Preise mehr als doppelt so schnell wie offiziell gemessen: Die gefühlte Inflationsrate liege derzeit bei fast 18 Prozent, so Kater. "Das ist ebenfalls historisch hoch." Viele Haushalte müssten auf Erspartes zurückgreifen, um über die Runden zu kommen.

"Es handelt es sich wohl eher um eine Atempause und nicht um einen Wendepunkt in der Inflation", sagte der Chefökonom des Vermögensverwalters HQ Trust, Michael Heise. Die staatlichen Maßnahmen wie Tankrabatt und Neun-Euro-Ticket hätten den Preisanstieg um etwa 0,9 Prozentpunkte gedrückt, laufen aber im August wieder aus. "Der Höhepunkt der Inflation dürfte eher im September erreicht werden", erwartet Heise deshalb. Das sieht auch Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer so: Spätestens mit dem Ende dieser Entlastungen im September sollte die Inflation wieder nach oben springen", betonte er. "Das gilt umso mehr, als die deutschen Unternehmen die massiv gestiegenen Materialkosten noch lange nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben haben."

Mehr als die Hälfte der Deutschen mit niedrigerem Einkommen will einer Studie zufolge wegen der hohen Inflation weniger Lebensmittel einkaufen. Rund 52 Prozent der Erwerbspersonen mit einem relativ niedrigen Haushaltseinkommen bis 2.000 Euro netto im Monat sehen sich genötigt, sich wegen der gestiegenen Preise vor allem für Energie bei Nahrungsmitteln einzuschränken, so das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Darunter wollen rund 18 Prozent den Konsum etwa von Nahrungsmitteln, Getränken, Tabakwaren und ähnlichem sogar "bedeutend" zurückfahren.

Die deutsche Regierung hatte ein Milliardenpaket geschnürt, um eine Entspannung bei der Inflation zu erreichen. Die Energiesteuer auf Kraftstoffe etwa wird seit 1. Juni befristet für drei Monate "auf das europäische Mindestmaß" abgesenkt, was dem Finanzministerium zufolge 30 Cent pro Liter weniger bei Benzin und 14 Cent beim Diesel bedeutet. Zugleich wurde für 90 Tage im öffentlichen Verkehr ein Ticket für neun Euro pro Monat eingeführt. Viele Sozialpolitiker und Ökonomen fordern weitere Entlastungen, besonders für einkommensschwächere Haushalte.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will im Juli angesichts der rekordhohen Inflation in der Währungsunion erstmals seit 2011 ihren Leitzins anheben und im September nachlegen. Dadurch steigen die Kreditkosten für Verbraucher wie Unternehmen, worunter Konsum und Investitionen weiter leiden dürften. Das wiederum könnte der ohnehin schwächelnden Konjunktur zusätzlich zusetzen.

(apa)