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4Gamechangers

Gerhard Zeiler: „Das lineare Fernsehen ist nicht tot“

?4GAMECHANGERS?-Festival
Gerhard Zeiler diskutierte am Podium unter anderem mit ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz.ORF/Klaus Titzer
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Die Zukunft der TV-Branche liege aber vor allem im Streaming, sagte der Präsident von WarnerMedia International bei einem Kongress in Wien.

Die Zahlen zeigen es deutlich: In den USA wurden im Mai 32 Prozent aller TV- und Video-Minuten in Form von Streaming abgerufen. „Vor der Pandemie waren es zwanzig Prozent“, sagte Gerhard Zeiler, der ehemalige ORF-Intendant, Ex-RTL-Chef und nunmehrige Präsident von WarnerMedia International, auf dem 4Gamechanger-Festival. Die TV-Branche werde mehr denn je vom Konsumenten gesteuert, der selbst entscheidet, wann, wo und wie er Inhalte nutzt. „Je jünger die Zuschauer, desto mehr wird gestreamt.“ Gleichzeitig bedeute diese Zahl aber auch eines: „Lineares Fernsehen ist nicht tot.“ Noch nicht.

Die europäische TV-Landschaft werde sich jedoch in den kommenden fünf Jahren deutlich verändern, glaubt Zeiler. Lokale TV-Anbieter müssten sich so breit aufstellen wie möglich – also Streaming und lineare Angebote anbieten, live und on-demand senden und selbst Content produzieren, um das eigene Profil, die Marke zu stärken. „Jedes Medienhaus muss Streaming machen, um zu überleben.“

Netflix: 18 Milliarden Euro für Content

Das Motto „klein, aber fein“ gelte nicht auf dem Fernsehmarkt, meint Zeiler. „Es würde mich nicht wundern, wenn es auch in Deutschland zu größeren Zusammenschlüssen kommt.“ Selbst dann würden europäische TV-Anbieter den internationalen Streaming-Konzernen im Kerngeschäft nicht die Stirn bieten können: „Netflix hat im vergangenen Jahr 18 Milliarden Dollar für Content ausgegeben – das kann ein nationaler Markt nicht aufbringen.“ Die Chance liege in werbefinanzierten Formaten und schnellen News. Corona und der Ukraine-Krieg haben zuletzt die TV-Quoten beflügelt.

In der nachfolgenden Diskussionsrunde war auch ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz dabei, die betonte, dass der ORF einzelne Zielgruppen gar nicht bedienen könne, weil er im digitalbereich vieles nicht dürfe. „Ich halte es für überlebensnotwendig, dass das aufgebrochen wird“, sagte sie. „Die Konsumenten sind gewohnt, Inhalte zu konsumieren wann und wo sie wollen.“ Dass die Möglichkeiten des ORF nicht mit der technischen Entwicklung mithalten, sei „bedenklich“.