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Konzerthaus

Ives und Mahler mit sängerischem Herzblut

Thomas Hampson concert - Zagreb, Croatia 14.02.2016., Zagreb, Croatia - The famous American baritone Thomas Hampson and
Eine fixe Größe im Liedgesang rund um die Welt: Thomas Hampson, hier 2016 in Zagreb.imago images/Pixsell
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Thomas Hampson und das Klangforum Wien wollten Mahler und Ives im Licht der Gegenwart zeigen: Jubel für Lieder und neu komponierte Reflexionen.

Ein Schuss! In den letzten Zeilen ist der Fall des Helden zu besingen. Thomas Hampson schwingt sich, wahrlich „majestically“, wie die Partitur verlangt, in einer erhebenden musikalischen Geste eine Sext in die Durterz auf – völlig überraschend inmitten des atonalen Tumults, aber desto gewaltiger. Und dann knallt auch noch ein Schuss: Der Dirigent Bas Wiegers feuert ihn in die Luft ab – und alles friert in Stille ein und verklingt. Es ist eine erschreckende, doch auch erschreckend passende Zutat des Bearbeiters Trevor Grahl in seiner neuen Ensemblefassung von Charles Ives' Klavierlied „Lincoln, the Great Commoner“ (1921), dort noch ohne diese drastische Erinnerung an den Präsidentenmord.

Ein Jahrgangskollege Schönbergs war er. Im Zivilberuf Versicherungskaufmann, als Komponist kühner Innovator, eigenständig und eigensinnig mit Clustern und Collagen, genuin US-amerikanisch unterfüttert mit transzendentalistischer Philosophie, überhöhtem und gebrochenem Pathos sowie Zitaten aus allen Richtungen. Das Inklusive seines Musikverständnisses rückt ihn in die Nähe Gustav Mahlers – und Ives selbst hat erzählt, Mahler habe seine Dritte Symphonie dirigieren wollen, sei dann jedoch zu früh gestorben. Freilich, weder Treffen noch Partiturübergabe sind belegt, aber wenn's nicht wahr ist, so ist's doch gut erfunden.