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Yung Hurn trat heuer bei der Eröffnung der Wiener Festwochen auf - und sorgte schon im Vorfeld für Diskussionen.
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Interview

Pop-Experte: „Mit Deutschrap kann man Eltern noch provozieren“

Ist Yung Hurn sexistisch? Und Rammstein zu rechts? Was lieben die Deutschen an Gabalier? Der Popmusikexperte Jens Balzer über Songtexte auf Deutsch, das Thema seines neuen Buches „Schmalz und Rebellion”.

Die Presse: „Über Sex kann man nur auf Englisch singen“, heißt es bei der Band Tocotronic, „allzu leicht kann's im Deutschen peinlich klingen.“ Stimmt das?

Jens Balzer: Wir Deutschen haben generell ein Problem mit unserer Sprache. Nirgendwo sonst ist die Frage, in welcher Sprache man singt, so politisch aufgeladen und kontrovers. Das kann auch künstlerische Kräfte freisetzen. Die Beatbands der Sechziger lehnten das Deutsche ab, als Sprache der Eltern und des Dritten Reiches. Englische Texte sahen sie als Mittel der Entnazifizierung. Die Krautrocker der Siebziger sangen auch auf Latein, auf Altgriechisch oder in Dialekten. Andere texten Deutsch, behandeln es aber wie eine Fremdsprache. Sie ringen damit wie mit widerständigem Material.

Sie schreiben: „Zum Pop gehört wesentlich das Aufbegehren gegen die Elterngeneration, typisch für die Teenagerzeit.“ Aber stimmt das noch? Auf den Rockfestivals spielen als Headliner lauter Dinosaurier-Bands, zu denen schon die Eltern der heutigen Besucher gepilgert sind . . .

Es gibt jetzt schon mehrere Generationen, die mit Pop und Rock aufgewachsen sind. Dadurch hat sich einiges geändert. Aber bei den Deutschrap-Hörern ist der Gestus des Eltern-Provozierens noch virulent. Da geht es um die krasseste Line mit der schlimmsten Beleidigung, und da kommt man als Älterer rasch in die Rolle zu sagen: Das gehört sich nicht, von einer moralischen Warte aus.

Dabei beeinflusst der Deutschrap sogar die Alltagssprache . . .