Zeitreise

Heute vor... im Juni: Wenn der Minister eine Denkschrift schreibt

Der Handelsminister wendet sich an den Kanzler – das ist durchaus ungewöhnlich.

Neue Freie Presse am 30. Juni 1932

Wie wir erfahren, hat man in parlamentarischen Kreisen Kenntnis von einem Schreiben erhalten, das Handelsminister Dr. Jaconcig vor einigen Tagen an den Bundeskanzler Dr. Dollfuß gerichtet hat. Diesem Schreiben kommt schon deshalb besondere Bedeutung zu, weil Dr. Jaconcig mit aller Offenheit darin feststellte, daß durchgreifende Hilfsmaßnahmen getroffen werden müssen, wenn nicht die Wirtschaft zugrunde gehen soll.

Dr. Jaconcig verweist in seinem Schreiben darauf, daß die Wirtschaft neue Steuerlasten nicht ertragen kann, wenn ihr nicht durch andere Maßregeln Hilfe gebracht wird. Das Problem der unerschwinglichen sozialen Lasten und des zu hohen Zinsfußes muß ebenfalls einer Lösung zugeführt werden. Wenn man von einer Senkung der Arbeitshöhne im Rahmen der Herabsetzung der Produktionskosten spricht, so muß aus die damit im Zusammenhang stehende notwendige Senkung der Preise für die wichtigsten Bedarfsartikel hingewiesen werden.

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