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Perspektiven

„Es liegen spannende Zeiten vor uns!“

Hans Peter Schützinger, Sprecher der Geschäftsführung der Porsche Holding Salzburg.
Hans Peter Schützinger, Sprecher der Geschäftsführung der Porsche Holding Salzburg.(c) Porsche Holding
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Wie wirken sich die krisenhaften Rahmenbedingungen auf den Automarkt aus und in welche Richtung entwickelt sich das Geschäftsmodell der Porsche Holding Salzburg? Antworten von Hans Peter Schützinger, Sprecher der Geschäftsführung.

Die Automobilindustrie durchlebt äußert bewegte Zeiten. Wie sehen Sie die aktuellen Rahmenbedingungen?

Wir befinden uns mittlerweile im dritten Krisenjahr in Folge. Die globalen Auswirkungen des Krieges in der Ukraine sind mit hoher wirtschaftlicher Unsicherheit verbunden und kaum abzuschätzen. Wir müssen also weiterhin auf Sicht fahren. Eine längerfristige Unterbrechung der globalen Lieferkette wird zu weiteren Preissteigerungen, Energieknappheit und einer Erhöhung der Inflationsraten führen. Die nächsten Jahre werden uns wirtschaftlich noch extremst fordern, weshalb wir eine strenge Kostendisziplin in allen Geschäftsbereichen an den Tag legen.

Wie sehr hat sich die Verfügbarkeit von Neuwagen seit Beginn des Jahres verändert? Und was bedeutet das für die Kunden?

Leider müssen sich unsere Kunden aufgrund des Halbleitermangels, der Lockdowns in China und dem Ukraine-Krieg auf längere Lieferzeiten als üblich einstellen. Die Belieferung mit Neuwagen wird sich auf absehbare Zeit anspruchsvoll und volatil gestalten, von einer Normalisierung ist frühestens im nächsten Jahr auszugehen. Die durchschnittlichen Lieferzeiten bei den Volkswagen Konzernmarken liegen aktuell zwischen sechs Monaten und einem Jahr, abhängig von Modell und Ausstattung. Bei sehr stark nachgefragten Modellen liegt die Lieferzeit schon bei Ende 2023 – egal ob Verbrenner oder Elektro. Bei einer besseren Versorgung hoffen wir, die Lieferzeiten wieder verkürzen zu können.

Trotz aller Umstände melden Auto­hersteller wie der Volkswagen ­Konzern Rekordergebnisse. Wie geht es Porsche Holding Salzburg?

Als Porsche Holding Salzburg konnten wir unter schwierigsten Rahmenbedingungen die Robustheit unseres Geschäftsmodells unter Beweis stellen, unseren Transformationskurs fortsetzen und weiteres Umsatzwachstum erzielen. Unser weltweit erfolgreiches Geschäftsmodell beruht dabei auf mehreren Säulen, die sich untereinander optimal stützen. Es hat uns sehr geholfen, dass wir bereits mit Beginn der Covid-Pandemie gegengesteuert und einen starken Fokus auf die Ausgabenseite gelegt haben. Die Konzentration auf höherpreisige und margenstarke Modelle wirkt sich ebenfalls positiv auf die Unternehmensperformance aus und ermöglicht uns, die Absatzrückgänge überzukompensieren. Trotz anhaltender Lieferschwierigkeiten und aller Herausforderungen – wir sind solide unterwegs. Was am Jahresende unterm Strich herauskommt, können wir nicht vorhersagen. Vieles hängt davon ab, wie es mit der ­Ukraine-Krise weitergeht.

Wie hat sich der Automarkt in ­Österreich während der letzten beiden Jahre entwickelt?

Der heimische Automarkt hat 2021 die niedrigsten Neuzulassungszahlen seit 1984 eingefahren und auch im heurigen Jahr ist er durch die Produktions- und Lieferengpässe weiter rückläufig. Wo wir am Jahresende stehen werden, kann nicht vorhergesagt werden. Mit unseren Konzernmarken bewegen wir uns weiterhin auf einem hohen Marktanteilsniveau von über 37 Prozent, das zeigt die gute Akzeptanz unserer Marken und Modelle. Positiv ist auch, dass trotz der teilweise bereits sehr langen Lieferzeiten der Verkauf immer noch auf einem soliden Niveau läuft – unter anderem getrieben von vielen Vorziehkäufen, da sich Unternehmer- wie auch Privatkunden auf die geänderten Marktbedingungen eingestellt haben. Wir verfügen mit den Volkswagen Konzernmarken derzeit über den höchsten Auftragsbestand in unserer Geschichte.

Welche Lehren für die Zukunft können aus der jüngeren Vergangenheit abgeleitet werden?

Die Angebotsverknappung bei den Neuwagen hat im Wesentlichen zwei Effekte. Erstens wird die verstärkte Nachfrage sowohl die Preise bei den Neu- und Gebrauchtwagen weiter hochhalten. Dazu werden auch die von der Gesetzgebung vorgeschriebenen Ausstattungen sowie immer strengere Emissionsvorgaben, die einer erhöhten Technik bedürfen, weiter beitragen. Zum Zweiten sind die Rabattschlachten und Kurzzulassungsorgien aus der Branche verschwunden, was zu einer ausgewogenen Balance von Volumen und Ertrag geführt hat.
Die längeren Lieferzeiten stellen uns gleichzeitig vor eine zusätzliche Herausforderung: Aktuell erhalten unsere Kunden bei Bestellung eines Neuwagens eine Preisgarantie. Die aktuellen Preis- und Inflationssteigerungen sowie die langen Lieferzeiten könnten aber in Zukunft dazu führen, dass diese Preisgarantie – wie bereits in anderen Branchen üblich – aus kaufmännischer Sicht nicht mehr darstellbar ist.

Zum Geschäftsmodell der Porsche ­Holding Salzburg: Wie sieht dieses im Detail aus?

Im klassischen Autohandel vertreten wir die Marken des Volkswagen Konzerns sowohl im Großhandel als auch im Einzelhandel und After Sales Geschäft. Zusätzlich decken wir das gesamte breite Spektrum des Automobilhandels ab – mit dem Ersatzteilvertrieb über unsere Teilevertriebszentren, den Finanzdienstleistungen rund um das Automobil mit der Porsche Bank Gruppe und einer eigenen IT-Systementwicklung mit der Porsche Informatik. Seit 2019 ergänzt auch MOON als Systemanbieter für ­Lade- und Energiemanagement unser Angebotsportfolio, um der ­E-Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen. Die noch junge Marke ist aktuell bereits in Österreich und Deutschland mit eigenen Gesellschaften sowie in insgesamt 18 Ländern geschäftlich aktiv.

Die Zukunft steht dem Vernehmen nach unter dem Motto: elektrischer, digitaler, nachhaltiger.

Das ist korrekt. Wir haben deshalb auch Ende letzten Jahres unsere Unternehmensstrategie ‚evolve 2030 – shaping our future‘ auf den Weg gebracht. Mit den strategischen Kernthemen Elektrifizierung, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Internationalisierung haben wir damit auch die Leitplanken gesetzt, um die Porsche ­Holding Salzburg als tragende Vertriebssäule im Volkswagen Konzern noch stärker zu verankern und zukunftssicher für die nächsten Jahre aufzustellen. Unsere Roadmap in die Zukunft steht. Es liegen spannende Zeiten vor uns!

Wie setzt Porsche das anhand konkreter Beispiele um? Wo liegen die ­Vorteile gegenüber den Wettbewerbern am Markt?

Nehmen wir das Beispiel MOON. Ich kenne keinen unserer Mitbewerber in Österreich, der ein Unternehmen wie MOON im Portfolio hat. Die Marke ist für uns ein starker Hebel, um die Transformation in die E-Mobilität voranzutreiben, und sie wird dabei von Unternehmerkunden als auch Privaten extrem gut angenommen. Das ­POWER2Go Ladekabel, ein österreichisches Produkt, das auch in den Genuss der E-Mobilitätsförderung kommt, erfreut sich riesiger Nachfrage. Gleiches gilt für die Photovoltaik-Anlagen von MOON. Leider schlagen auch hier die Lieferzeiten bereits mit längeren Wartezeiten für unsere Kunden voll durch. Ein anderes Beispiel ist unser Porsche Mobility Store, mit dem wir künftig Mobilitätsdienstleistungen anbieten werden.
Fakt ist, die Mobilität wird sich verändern. Bei vielen Kunden gerade in großen Städten steht immer mehr „Nutzen statt Besitzen“ im Vordergrund. Der Porsche ­Mobility Store soll noch 2022 online gehen und in Wien starten. Dabei führen wir bestehende Mobilitätslösungen wie Rent a Car, sharetoo und autoabo auf einer Plattform zusammen und die Kunden wählen per App digital die am besten passende Mobilitätslösung.

In Zeiten des Fachkräftemangels ­bekommt das Stichwort Employer Branding neue Bedeutung. Wie stärkt die Porsche Holding ihre Rolle als Arbeitgeber, um hoch qualifizierte und motivierte Arbeitskräfte ins Unternehmen zu holen bzw. sie zu binden?

Als international tätiges Unternehmen, das in verschiedenen Geschäftsbereichen tätig ist, bieten wir zahlreiche Entwicklungs-, Qualifizierungs- und Karrierechancen – diese reichen vom Lehrberuf bis ins obere Management. Natürlich ist der vielzitierte Fachkräftemangel in den letzten Jahren in allen Bereichen immer spürbarer geworden, gerade in den MINT-Berufen sowie vor allem in der IT. Aber auch in der klassischen Lehre ist der Kampf um die besten Köpfe in vollem Gange.
Als Porsche Holding haben wir deshalb bereits vor längerer Zeit eine innovative Personalstrategie aufgesetzt, die alle Aspekte eines modernen Personalmanagements umfasst. Parallel reagieren wir auf die sich ständig verändernden Arbeitswelten und bieten unseren Mitarbeitern beispielsweise verschiedene Modelle des mobilen Arbeitens, aus denen die ArbeitnehmerInnen wählen können.

Eine kurze Prognose: Wie sehen Sie realistisch die nahe Zukunft für Ihr ­Unternehmen?

Wir alle wissen, in diesem Jahrzehnt wird sich in der Automobilbranche mehr verändern, als es in den letzten 100 Jahren der Fall war. Unsere Branche durchlebt aktuell den größten Wandel in ihrer Geschichte. Als Unternehmen müssen wir deshalb die Zukunftsthemen mit der nötigen Technologieoffenheit aktiv anpacken, um die Mobilitätsbedürfnisse unserer Kunden bestmöglich zu erfüllen, aber auch um den weltweit mehr als 34.000 Mitarbeitern ein verlässlicher und attraktiver Arbeitgeber zu sein.

Unter dem Dach des Volkswagen Konzerns sowie in den von uns betreuten Märkten werden sich noch zahlreiche Chancen für weiteres Wachstum auftun. In den Metropolen dieser Welt ist noch einiges an Potenzial zu heben. Das beinhaltet den klassischen Automobilhandel ebenso wie das Feld der Finanzdienstleistungen oder die verschiedensten Mobilitätsservices, die immer mehr an Bedeutung gewinnen. Zusammengefasst: Wir wollen weiter wachsen, aber nicht um jeden Preis. Wir wollen gesund und nachhaltig wachsen.

Das Unternehmen

Die Porsche Holding GmbH mit Sitz in Salzburg ist seit 1. März 2011 eine 100 Prozent Tochtergesellschaft der Volkswagen AG und in den Geschäftsfeldern Großhandel, Einzelhandel, Finanzdienstleistungen und IT-Systementwicklungen tätig. Das Salzburger Handelsunternehmen wurde 1949 gegründet und ist heute in 28 Ländern in Österreich, West- und Südosteuropa sowie in Kolumbien, Chile, China, Malaysia, Singapur und Japan tätig. Mit Ende 2021 sind rund 34.000 MitarbeiterInnen im Unternehmen beschäftigt, die mehr als 674.800 Neuwagen verkaufen und einen Umsatz von 24,2 Milliarden Euro erwirtschaften konnten.

Mehr unter: porsche-holding.com

Information

Die Seiten „Perspektiven“ beruhen auf einer Medienkooperation mit der „Presse“ und sind mit finanzieller Unterstützung der Porsche ­Holding GmbH ­entstanden.