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Interview

Epidemiologe: "Müssen endlich wegkommen von Beschränkungen für alle"

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Die meisten Corona-Maßnahmen sind gefallen, Großveranstaltungen führen zu einem Anstieg der Ansteckungen.APA/FLORIAN WIESER
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Gerald Gartlehner von der Donau-Universität Krems sieht Österreich „sehenden Auges in die nächste problematische Situation schlittern“. Der Epidemiologe fordert gezielte Maßnahmen für Risikogruppen statt strengerer Regeln für alle. Die Regierung agiert seiner Ansicht nach zu „schwerfällig“.

„Warum werden Personen ab 65 Jahren und jene mit schweren Vorerkrankungen nicht angeschrieben und aufgefordert, sich rasch ein viertes Mal impfen zu lassen? Das kann doch nicht so schwer sein“, sagt Gerald Gartlehner, Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation an der Donau-Universität Krems. „Bisher haben sich trotz Empfehlung des Nationalen Impfgremiums lediglich fünf Prozent der Personen ab 65 Jahren impfen lassen. Die derzeit laufende Kampagne ,Geht sicher‘, in der eine Jugendliche beim ersten Date schmusen will, ist unsäglich und geht völlig an der Zielgruppe vorbei.“

Zudem sollten Risikogruppen aufgefordert werden, sich regelmäßig testen zu lassen, um im Fall einer Infektion rasch Medikamente zu nehmen. „Die antivirale Tablette Paxlovid verhindert nur dann Spitalsaufenthalte, wenn sie innerhalb der ersten fünf Tage nach der Ansteckung eingenommen wird.“

Und auch die Isolationspflicht für positiv Getestete, die asymptomatisch sind, könne man wahrscheinlich aufheben.

Gerald Gartlehner im Interview.

Die Presse: Erklären Sie mir bitte eine Sache. Die Krisenkoordination Gecko rechnet in den kommenden zwei, drei Monaten mit mehreren zehntausend Neuinfektionen pro Tag, sogar 70.000 werden für möglich gehalten. Dennoch will die Regierung weder an der Isolationspflicht für positiv Getestete rütteln noch strengere Regeln wie etwa das Tragen von Masken in Supermärkten anordnen. Wie soll sich das ausgehen?