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Nachruf

Peter Brook: Abschied von einem unermüdlichen Visionär der Bühnenkunst

„Why and how“: Zwei Wörter bringen Regiearbeit auf den Punkt, erklärte Peter Brook.
„Why and how“: Zwei Wörter bringen Regiearbeit auf den Punkt, erklärte Peter Brook.(c) APA/AFP/LIONEL BONAVENTURE
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Der legendäre britische Theatermacher Peter Brook vereinte Tradition und Avantgarde mit beharrlicher Leidenschaft. Immer wieder nutzte er auch Film und Fernsehen für die wirkungsvolle Vermittlung seiner aufsehenerregenden Inszenierungen. Nun ist er 97-jährig verstorben.

Was hat das beste moderne Theater der Nachkriegszeit ausgemacht? Wer Profundes über dessen neue Ästhetiken erfahren will, für den ist „Der leere Raum“ von Peter Brook eine unerlässliche Lektüre: Der britische Regisseur hat in seinem berühmten Buch seine Erfahrungen mit der Bühnenkunst zusammengefasst. In diesen Vorlesungen kommt ein Meister zu Wort, der vier Arten von Schauspiel unterscheidet: das tödliche, das heilige, das derbe und das unmittelbare. Letzteres strebte er selbst an. Brook liebte die Spannkraft des Augenblicks. Bloße Nachahmung, alles Abgegriffene lehnte er ab. Das Direkte war sein Ideal – und immer wieder hat er es in schönster Form erreicht.

Der 1925 in London geborene Sohn jüdischer Einwanderer aus Lettland zählte zu den Jahrhunderterscheinungen der Regie. Bereits als Schüler beschäftigte er sich mit Schauspiel, seine Karriere begann 1945 in England. In Birmingham, Stratford-upon-Avon und London inszenierte Brook vor allem die Dramen von William Shakespeare. Bald jedoch wuchs sein Ruhm auch international: In den Sechzigerjahren setzte er sich intensiv mit den Werken von Sartre, Dürrenmatt, Weiss und Genet auseinander. Mit seinen Inszenierungen gelang es Brook immer wieder, neue Maßstäbe zu setzen. Das machte ihn zu einer Leitfigur der internationalen Theaterszene. Es gipfelte in der Gründung des Centre International de Recherche Théâtrale, das 1970 in Brooks Wahlheimat Paris seine Pforten öffnete. Aus dem aufregenden Experiment wurde eine Dauereinrichtung: Als Théâtre des Bouffes du Nord existiert das Haus bis heute.