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Mein Dienstag

Diskriminierung tötet

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Betroffene rassistischer Übergriffe sind einer konkreten, messbaren gesundheitlichen Gefahr ausgesetzt.APA/AFP/GETTY IMAGES/Michael M.
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Eine neue Universitätsstudie aus Wien beweist: Wer regelmäßig ausgegrenzt wird, erkrankt häufiger – psychisch wie physisch.

Wer hätte das gedacht? Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft zu erfahren führt zur massiven Ausschüttung des Stresshormons Cortisol und schadet der psychischen sowie physischen Gesundheit – unter anderem, weil das Immunsystem geschwächt wird. Das geht aus einer ganz aktuellen Studie der Universität Wien hervor.

„Wenn ethnische Diskriminierung häufig erlebt wird, können die körpereigenen Stresssysteme durch den wiederkehrenden Stress aus der Balance geraten“, sagt Psychologin Ricarda Nater-Mewes, eine der Studienautorinnen. „Ein solches Ungleichgewicht kann zur Entstehung von psychischen Störungen und körperlichen Krankheiten beitragen.“ Die Probanden in der Studie hatten im Übrigen türkischen Migrationshintergrund, aber das tut nichts zur Sache.

Die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Untersuchung werden leider untergehen, Rassismus ist in der öffentlichen Debatte ein Nischenthema. Und davon Betroffene brauchen auch keine aufwendig durchgeführte Studie, um zu wissen, dass ihre schmerzhaften Erfahrungen nicht gerade gesundheitsfördernd sind.

Aber schwarz auf weiß nachlesen zu können, dass Diskriminierung einem Angriff auf ihre körperliche und seelische Unversehrtheit gleichkommt, bestärkt sie vielleicht darin, noch entschlossener und konsequenter gegen Attacken dieser Art vorzugehen. Etwa, indem sie sämtliche offiziellen und inoffiziellen Stellen nutzen, um solche – zumeist sind es verbale – Übergriffe zu melden, damit sie geahndet werden. Denn mit dieser Haltung treten sie nicht nur einer sozialen Ungerechtigkeit entgegen und setzen sie ein Zeichen des Widerstands, sondern handeln auch und vor allem in persönlicher Notwehr.

Wer von ihnen erwartet, wegzusehen und Demütigungen zu akzeptieren, um Eskalationen zu vermeiden, kann sie genauso gut auffordern zu akzeptieren, häufiger krank zu werden, sich mit einer geringeren Lebensqualität abzufinden und früher zu sterben. Lesen Sie die Details dazu ruhig nach. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift „Psychoneuroendocrinology“.

E-Mails an: koeksal.baltaci@diepresse.com