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Martin James Bartlett

Ein Buchbinder-Wettbewerb!

Rudolf Buchbinder, der Wettbewerbs-Verächter, kuratiert nun doch einen Klavierwettbewerb in der Schweiz und überreichte dem ersten Sieger, Martin James Bartlett, seinen Preis.

Der Wiener Pianist Rudolf Buchbinder hält nicht viel von Wettbewerben. Das weiß man. Diesmal ist es anders: Kürzlich war es Buchbinder, der im schweizerischen Feldbrunnen den neu geschaffenen „Prix Serdang“ an den britischen Pianisten Martin James Bartlett (Jahrgang 1996) überreichte. Der freut sich nun über die 50.000 Franken - und über die Tatsache, dass Buchbinder in diesem Fall eine Ausnahme gemacht hat. „Es geht hier nicht um eine Momentaufnahme wie bei den meisten Wettbewerben“, meint Rudolf Buchbinder im Gespräch mit der „Presse“, „hier wird ein Künstler ausgezeichnet, dessen Entwicklung wir während der vergangenen Jahre genau beobachtet haben.“

Der „Prix Serdang“, der vom Schweizer Mäzen Adrian Flury gestiftet  und nun zum ersten Mal verliehen wurde, würdigt die bisherige Entwicklung eines Interpreten. „Es geht nicht darum, wie er in den Wettbewerbs-Runden und im Finale gespielt hat, sondern um alles, was er künstlerisch bisher erreicht hat“, sagt Buchbinder, „und für Martin James Bartlett sprechen Eigenschaften wie Neugier, Vielseitigkeit, Offenheit“ und die Leidenschaft mit der er „kontrastreiche Programme und Konzepte“ entwickelt und damit sein Publikum zu fesseln versteht.

Prämiiert wird der Werdegang

Und offenbar auch die Juroren, denen Buchbinder als Kurator vorsteht. Er unterbreitet dem Mäzen Flury und dem Manager des „Prix Serdang“ Thomas Pfiffner einen Dreiervorschlag - und redet wohl auch ein gewichtiges Wörtlein in Sachen Platzierung mit. Jedenfalls wird der Wiener Pianist den Preis ab sofort jährlich in jener Villa überreichen, der der Preis seinen Namen verdankt.  Martin James Bartlett, der erste „Serdang“-Preisträger, ausgebildet am Londoner Royal College, hat im Übernehmen von Auszeichnungen schon Übung: Er war 2014 einer der BBC Young Musicans und erntete damals Lob vom renommierten „Gramophone“-Magazin. Seit zwei Jahren ist Bartlett bei Warner Classics unter Vertrag. Seine ersten beiden Alben gelten virtuosem Repertoire mit doppeltem programmatischem Boden, sodass Kenner der Klaviermusik gleich aufhorchen:

  1. „Rhapsody“ enthält neben Sergej Rachmaninows ebenso ernsthafter wie geistreicher „Paganini“-Rhapsodie einige Solo-Piecen von Gershwin - im Original und im Arrangement von Earl Wild.
  2. „Love and Death“ gruppiert um den namensgebenden „Liebestod“ aus Wagners „Tristan und Isolde“ im Arrangement Franz Liszts Werke von Bach (in Arrangements von Busoni und Hess) sowie Liszt und die Siebente der Klaviersonaten von Sergej Prokofieff.