Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Der EQE 350+
Fahrbericht

Mercedes EQE: Das Ende der Reichweitenangst

Bei der vollelektrischen Limousine EQE hat Mercedes alles richtig gemacht: Von der Software bis zur Abstimmung passt alles – und wir sind mit einer Ladung von Innsbruck bis nach Wien gekommen.

Wien. Man kann es von vielen Autoherstellern sagen, aber auf Mercedes trifft es besonders zu: Die Stuttgarter waren bei der Elektromobilität keine Vorreiter. Es dauerte, bis man auf den Trend aufsprang, und es dauerte, bis man eine eigene Plattform entwickelt hatte. Vieles von dem, was derzeit unter dem Stern elektrisch auf den Straßen unterwegs ist – EQA etwa, EQB oder auch EQC – sind umgebaute Verbrenner.

Auf der neuen elektrischen Plattform EVA steht die Oberklasse, der EQS, demnächst das große vor allem für die USA gedachte EQS-SUV, später einmal das EQE-SUV und aktuell der EQE, die elektrifizierte E-Klasse. Das Fazit gleich vorweg: Bei diesem Auto hat Mercedes alles richtig gemacht. Der EQE ist aktuell eines der besten Elektroautos auf dem Markt, wenn er in der mittlerweile doch recht großen Auswahl nicht überhaupt eine Alleinstellung hat.

Laden mit 170 kW

Unser (fast) uneingeschränktes Lob hat viele Gründe. Der erste und im Zeitalter der Digitalisierung mittlerweile einer der wichtigsten: die ausgezeichnete Software. Die Sprachsteuerung funktioniert tadellos, die Bedienung des großen Bildschirms ist, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, schnell und genau.

Vor allem errechnet der Mercedes sehr präzise die notwendigen Ladestopps, um von A nach B zu kommen, die kürzestmöglichen Ladezeiten – auf einer Langstreckenfahrt einmal neun, einmal 15 Minuten –, er zeigt die Ladekosten an, und er sagt den Ladezustand bei der Ankunft fast auf das Prozent genau voraus. Wenn's sein muss, tankt er bei einer Gleichstrom-Schnellladestation (Ladeleistung bis zu 170 kW) im Idealfall in 15 Minuten bis zu 250 Kilometer.

(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Eines kann man beim EQE mit seinem 90,6-kWh-Akku jedenfalls vergessen: die Reichweitenangst. Wir sind von Innsbruck nach Wien, etwa 480 Kilometer, ohne einen einzigen Ladestopp gefahren. Anfangs noch unbeirrt innerhalb der Toleranzgrenze von 130 km/h, über das deutsche Eck für einen kurzen Moment mit 210 km/h, um die behauptete Höchstgeschwindigkeit zu testen, ab Salzburg nur noch mit 120 km/h. Der EQE empfahl uns dieses Tempo, um das Ziel ohne Ladestopp erreichen zu können. Und so war es auch.

Der Verbrauch auf dieser Strecke: 17,6 kWh auf 100 Kilometer – und das bei Außentemperaturen von über 30 Grad immer mit Klimaanlage. Ein Kollege eines Magazins hat den EQE ohne Klimaanlage mit einem Verbrauch von knapp über 15 kWh bewegt – und der Kollege ist nicht unbedingt für seinen sanften Gasfuß bekannt.

Man vergisst in Zeiten von SUVs, wie windschlüpfrig Autos sein können. Beim EQS hat Mercedes mit einem cw-Wert von 0,20 Rekorde gebrochen, beim EQE ist es 0,22. Auch das lächerlich wenig – und vor allem deshalb sind so gute Verbrauchswerte möglich. Mercedes gibt die Reichweite unseres EQE 350+ nach WLTP mit 639 Kilometern an.

Garniert ist die Elektrolimousine mit typischen Mercedes-Eigenschaften: Das Fahrwerk ist im Comfort-Modus angenehm sanft abgestimmt und glättet alle Unebenheiten, im Sport-Modus kann man trotz 292 PS zwar keine Rennen fahren, aber die Spreizung ist doch spürbar.

Kurzes Ladekabel

Man muss auch die ausgezeichnete Geräuschdämmung erwähnen, die einen in Kombination mit den angenehmen Sitzen eher in einem gemütlichen Wohnzimmer wähnen lässt als auf der Autobahn, wo die übliche Klangkulisse Abroll-, Wind- und Motorengeräusche sind. So hört man Vivaldi aus dem

Burmester-3D-Surround-Soundsystem. Sogar die Lichtspiele im Innenraum und das „Zierelement Holz Nussbaum Schiffsdeck“ (Aufpreis 780 Euro) haben uns gefallen.

(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Was stört? Die Slider am Lenkrad, mit denen man unter anderem die Lautstärke regelt, sind mehr eine Spielerei als eine Steuerung, die einstigen Druckregler waren präziser. Und das Ladekabel ist genau 20 Zentimeter zu kurz, wenn man an einer öffentlichen Ladestation in Wien steht und der Anschluss vorn ist.

Der Mercedes EQE 350+ kostet brutto ab 72.240 Euro, für die Allradversion (EQE 43 4Matic) muss man mindestens 105.240 Euro rechnen.


[SMGV3]