Die deutsche Amazon-Serie „Damaged Goods“ mit Sophie Passmann in der Hauptrolle gibt sich hip – und erweist sich dann als erstaunlich altmodisch.
Da steht er also, dieser Mads. Hat Chlamydien aufgeschnappt, was ihn eigentlich nicht wundern dürfte bei seinem Lebenswandel, aber weil er eigentlich ein good guy ist, ruft er wie vom Arzt empfohlen die Sex-Partnerinnen der letzten Monate durch. Leider hat er, was ebenfalls nicht erstaunen kann, nicht von jeder die Telefonnummer, und so steht er jetzt vor der Türe. Er muss läuten. Das geht so: Erst zappelt er mit den Fingern, wie um sie aufzuwärmen. Dann kreist sein Zeigefinger über einem Klingelknopf. Dann zuckt er zusammen. Dann tritt er einen Schritt zurück, als sei diese Klingel gefährlich. Und dann streckt er die Hände durch, als wollte er . . . Ja, was wollte er?
Diese Dramedy steckt voller solcher Momente. Voller aufgerissener Augen, gerunzelter Stirnen, verzagt herunterhängender Schultern. Schaut her, scheinen Sophie Passmann und Co. zu rufen: Wir leiden! Seht her: Wir sind aufgeregt! Seht her, wir zweifeln! Das wirkt seltsam gestrig, wie überhaupt „Damaged Goods“ aus der Zeit vor Netflix und Co. zu stammen scheint, als Serien aus Prinzip ein bisschen plump waren, Übertreibung mit Humor verwechselt wurde und das Nuscheln noch nicht erfunden war.