TV-Gespräch

Anti-Teuerungspaket für Meinl-Reisinger zu viel "Gießkanne"

Moderatorin Bianca Ambros und Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger beim Puls24-Sommergespräch im Irenental.
Moderatorin Bianca Ambros und Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger beim Puls24-Sommergespräch im Irenental.APA/PULS 24/URSULA RÖCK
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Die türkis-grüne"Gutschein-Politik" diene nur dazu, dass Politiker "ihr Bild drauf kleben können“, kritisiert die Neos-Chefin im Sommergespräch auf „Puls24“.

Das Entlastungspaket der Regierung ist für Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger zu viel "Gießkanne". Generell entkam der Parteivorsitzenden zum Auftakt der „Sommergespräche" auf „Puls 24" am Donnerstag wenig Lob für die Regierung. Zum zehnjährigen Jubiläum ihrer Partei bekam Meinl-Reisinger auch die Gelegenheit, über die vergangenen Jahre Resümee zu ziehen. "Die Opposition war nicht fad", aber jetzt wollten auch die Neos zeigen, dass sie es besser können, meinte sie mit Blick auf die nächste Wahl.

Dominierendes Sendungsthema war dann aber doch der Krieg in der Ukraine. Meinl-Reisinger, die gerade von einer parlamentarischen Delegationsreise nach Bucha zurückgekommen ist, betonte, dass Österreich im Bereich der Versorgung mit medizinischen Produkten besonders viel Hilfe leisten könnte. Zu sehen, was an medizinischer Ausstattung fehle, sei ein Ziel dieser Reise gewesen. In Österreich ortete Meinl-Reisinger einen Stimmungswechsel in der Gesellschaft. Denjenigen, die sich die Frage stellen würden, ob Europa weiterhin Waffen in die Ukraine liefern solle, entgegnete sie: "Viele haben noch nicht verstanden, dass wir als Europa diesen Krieg gewinnen müssen, um weitere blutige Kriege zu vermeiden".

Gefahr, „dass die Mitte wegbricht“ 

Den Nato-Beitritt von Schweden und Finnland könne sie nachvollziehen. Allem voran brauche es aber eine neue Sicherheitsdoktrin. Wichtig war es der Neos-Chefin aber auch, zu betonen, dass die Neutralität Österreich nicht schütze. Schutz biete einzig und allein der Verbund mit anderen Staaten. Als Neos sei man grundsätzlich offen für einen Nato-Beitritt, Meinl-Reisinger merkte jedoch auch an, dass Österreichs Heer dafür nicht ausreichend ausgestattet sei. Angesichts einer möglichen Wiederwahl von Donald Trump als US-Präsident sei eine europäische Sicherheitspolitik unumgänglich. Pläne für eine europäische Eingrifftruppe gäbe es bereits, hier solle Österreich verlässlicher Partner sein, das stehe auch der Neutralität nicht im Wege.

Beim Thema Inflation sah Meinl-Reisinger die Gefahr, "dass die Mitte wegbricht". Die Entlastung der besonders Gefährdeten sei unumgänglich. Das Entlastungspaket der Regierung enthält für Meinl-Reisinger hingegen zu viel "Gießkanne". Die "Gutschein-Politik" diene nur dazu, dass Politiker "ihr Bild drauf kleben können". Die Entlastung der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler durch das Abschaffen der kalten Progression sei ein wichtiger Schritt, müsse aber rückwirkend ab 1. Jänner 2022 gelten, und nicht erst wie geplant ab 2023. Dritter Punkt im Kampf gegen die Teuerung müsse die Senkung der Lohnnebenkosten sein.

Von einem Preisdeckel auf Gas hält Meinl-Reisinger nichts. Eine Preissubventionierung würde nicht zu einer Reduktion des Verbrauches führen, und sollte Putin im Herbst das Gas abdrehen, könnte man durch eine Deckelung Knappheit verursachen. "Wir müssen über den Winter kommen, keiner darf frieren". Vor allem beim Wohnen und Heizen müssten sowohl Mieter als auch Vermieter "ihren Teil beitragen".

Bereit für Neuwahlen

Auch von einer Mehrwertsteuersenkung zeigte sich Meinl-Reisinger nicht begeistert: "Die Sozialdemokratie ist bekannt für Maßnahmen, die viel Geld kosten, aber populistisch sind und nichts bringen". Ebenso wenig Freude hätte sie wenig überraschend mit Vermögenssteuern. Die Linie "Koste es was es wolle" werde "uns allen auf den Schädel fallen". Abermals betonte die Neos-Vorsitzende, dass Österreich als Hochsteuerland die Steuerlast senken müsse. Einer Erbschaftssteuer verschließe sie sich nicht per se, zuerst müssten die Steuern auf die Arbeit reduziert und eine "wirkliche" CO2-Bepreisung eingeführt werden.

Der Krieg in der Ukraine müsse ein "Turbo" für die Klimabestrebungen sein. Der Krieg habe Österreich schmerzhaft vor Augen geführt, wie groß die Abhängigkeit von fossilen Energien sei, die zumeist nicht aus "lupenreinen Demokratien" kommen. Viel zu langsam sei hingegen die Politik, Meinl-Reisinger forderte schnellere Umweltverträglichkeitsprüfungen.

Der Blick in die Zukunft sei kein rosiger. Unter Umständen stehe ein sehr harter Herbst und Winter bevor. Abschließend wurde ihr die fast schon traditionelle Frage nach Neuwahlen gestellt. Die Neos seien bereit für Neuwahlen, der Zeitpunkt sei aber gerade nicht ideal. "In so einer Phase muss man nicht noch mehr Unsicherheit schaffen", sagte Meinl-Reisinger.

(APA)

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