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Grüner Wasserstoff für die Energiewende

Stefan Kaufmann, Speaker beim Salzburg Summit.
Stefan Kaufmann, Speaker beim Salzburg Summit.BMBF/Hans-Joachim Rickel
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Salzburg Summit. Was kann grüner Wasserstoff zur Dekarbonisierung der Wirtschaft beitragen? In welchen Bereichen liegt das größte Potenzial und wo bestehen dringliche Herausforderungen? Antworten von Salzburg-Summit-Speaker Stefan Kaufmann, Innovationsbeauftragter „Grüner Wasserstoff“ des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Herr Kaufmann, Sie sind seit Juni 2020 Innovationsbeauftragter „Grüner Wasserstoff“ des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Was bedeutet das konkret, wie lautet Ihre Agenda?

Es geht im Grunde um alles, was mit der konkreten Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie zu tun hat, die im Juni 2020 beschlossen wurde. Das Ziel lautet, einen schnellen Markthochlauf zu ermöglichen. Meine Aufgabe ist es, mit voller Energie dafür zu arbeiten, dass das Innovationsland Deutschland die vielfältigen Wachstumschancen einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft nutzt. Damit dies gelingt müssen etwa Grundlagenforschung und Praxiserprobung miteinander verzahnt und Wissenschaft, Wirtschaft und Politik an einen Tisch gebracht werden. Es gilt, einen fruchtbaren Dialog am Laufen zu halten, um der Technologie den Weg zu ebnen, Leitprojekte zu fördern und zu begleiten, infrastrukturelle Lösungen zu schaffen und vieles anderes mehr.

Zudem steht das Knüpfen internationaler Kontakte und Schließen internationaler Abkommen im Fokus, weil das Energieträger- und Dekarbonisierungsthema ja logischerweise ein globales ist. Dementsprechend intensiv ist der Kontakt sowohl mit europäischen Ländern, als auch mit der MENA-Region (Middle East and North Africa), den Golf-Staaten, Südamerika am Beispiel von Chile und Brasilien oder etwa Australien mit seinen unendlichen Ressourcen und hervorragenden Bedingungen für die Produktion und den Export von grünem Wasserstoff. Im Grunde kommt die halbe Welt in Frage, wenn man – zusätzlich zur eigenen Produktion – auf der Suche nach Lieferländern ist.

Sollte der Fokus nicht auf dem Ausbau der eigenen Erzeugung liegen?

Unser Ziel für Deutschland sind 10 GW Elektrolyseleistung bis 2030. Aber man muss hier global denken. Natürlich ist es ein sinnvolles Ziel, etwa in Deutschland Vorreiter innovativer Wasserstofftechnologie zu sein und eine Führungsrolle einzunehmen. So können wir im eigenen Land Arbeitsplätze sichern und schaffen. Auch ein europäischer Schwerpunkt ist wichtig, am Beispiel der Schaffung einer europäischen Wasserstoff-Erzeugungs- und Transport-Infrastruktur. Dieses Ziel verfolgen wir konsequent. Aber es braucht ebenfalls die Kooperation mit sonnen- und windreichen Ländern außerhalb Europas, um grünen Wasserstoff, der in enormen Mengen benötigt wird, zu importieren.

Grüner Wasserstoff gilt als essenzielles Element bei der ­Erreichung der Klimaziele. In welchen Bereichen besteht das größte Potenzial?

In den Bereichen, in denen man sich die größten Dekarbonisierungsgewinne verspricht. Die Rede ist also zunächst von der Industrie, und da insbesondere von der Stahl-, Aluminum-, Zement-, Glas-, Düngemittel- und der chemischen Industrie. Hier könnte man mit Wasserstoff relativ schnell große positive Effekte erzielen. Übrigens nicht nur mit grünem, sondern – als Übergangslösung – auch mit dekarbonisiertem blauen Wasserstoff. Dabei wird CO2 abgeschieden und gelangt nicht in die Atmosphäre, sondern wird entweder in geologische Formationen unter der Erde verbracht oder direkt in der Industrie als Rohstoff genutzt.

Aber auch der Bereich Mobilität ist hoch interessant, weil in den Bereichen Flug-, Schiffs- und Schwerlastverkehr die batterieelektrische Mobilität kein Allheilmittel ist. Hier lassen sich mit synthetischen Kraftstoffen klimafreundliche Alternativen schaffen.

Ein Thema ist Wasserstoff nicht zuletzt bei der Wärmeerzeugung. Er kann wie Erdgas in einem Brennwertkessel verbrannt werden, um Warmwasser oder Heizungswasser zu erzeugen. Mit einer Wasserstoffheizung ist es möglich, nahezu klimaneutral zu heizen. In Zeiten, in denen so dringlich wie noch nie über den Ersatz von Erdgasheizungen diskutiert wird – in Deutschland gibt es rund 14,5 Millionen, in Österreich etwa 450.000 –, sollte man diese Möglichkeit nicht aus den Augen verlieren.

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?

Herausforderungen gibt es in jedem Bereich, aber eine zentrale (politische) Frage ist sicherlich jene der Transport- und Versorgungsinfrastruktur. Hier müssen sich die zentraleuropäischen Staaten zusammentun und eine eigene Agenda entwickeln. Konferenzen wie der Summit sind für Gespräche in diesem Sinne eine sehr gute Gelegenheit.

Salzburg Summit

Die internationale Konferenz wird heuer von 27. bis 30. Juli in Salzburg stattfinden und dient als Plattform für den Austausch von Ideen. Hochkarätige Führungskräfte und interessante Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft kommen zusammen, um unter dem Generalthema „Challenges“ die ­aktuellen Herausforderungen aus verschiedensten Blickwinkeln zu diskutieren und einen Blick auf zukünftige Trends und Themen zu werfen. Salzburg Summit wird heuer zum dritten Mal veranstaltet.

salzburgsummit.com

Information

Der Beitrag wird finanziell unterstützt von der Industriellenvereinigung.