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Serie Nachhaltig Wohnen

Detox-Kur für den Haushalt

Reinigungsmittel sind nicht immer so unschuldig, wie sie daherkommen.
Reinigungsmittel sind nicht immer so unschuldig, wie sie daherkommen.Getty Images/iStockphoto
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Ökologische Reinigungsmittel liegen im Trend. Sie kommen nicht nur der Umwelt, sondern auch der Gesundheit zugute. Schon mit wenigen ist man gut bedient.

Rund 32 Stunden pro Monat wird in heimischen Haushalten geputzt und gewischt. Und immer öfter wird dazu auf nachhaltige Putz- und Reinigungsmittel zurückgegriffen. Dementsprechend wächst das Angebot an Produkten, die nicht nur Sauberkeit, sondern auch Umweltfreundlichkeit versprechen. Wobei: Nicht alles, was als „umweltfreundlich“, „schonend“ oder mit ähnlichen Attributen verkauft wird, fällt auch tatsächlich darunter. „Diese Bezeichnungen sagen nichts aus“, sagt Harald Brugger, Teamleitung Chemie & Konsum bei der Umweltberatung. Nachweislich ökologisch unbedenklich seien ausschließlich zertifizierte oder mit Gütesiegeln wie dem Österreichischen Umweltzeichen, dem Blauen Engel oder dem EU-Eco-Label ausgezeichnete Produkte. „Sie entsprechen den höchsten Anforderungen in Hinblick auf Inhalt und Verpackung“, weiß der Chemiker.

 

Faktor Gesundheit

So müssen mit Zertifikaten oder den genannten Labels ausgezeichnete Produkte biologisch abbaubar sein, auch bestimmte umwelt- und gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe sind reglementiert oder überhaupt ausgeschlossen. Das gelte etwa für Duftstoffe, für Lösungs- und Konservierungsmittel sowie für Desinfektionsstoffe und Mikroplastik, die sowohl für Wasserorganismen als auch die Umwelt schädlich sind, sagt Brugger: „Diese Stoffe können die Bakterien in Kläranlagen stören und gehen ins Wasser.“

Doch nicht nur die Umwelt profitiert von grünen Reinigungsmitteln. Denn viele Inhaltsstoffe in herkömmlichen Reinigern – sie enthalten dem deutschen Umweltbundesamt zufolge bis zu 200 verschiedene Stoffe – wirken sich mitunter nachteilig auf die Gesundheit aus. Konservierungs- und Lösungsmittel, Desinfektions- und Duftstoffe können beispielsweise Allergien auslösen oder die Haut und Atemwege reizen. Allergiker sollten sogar bei nachhaltigen Reinigungsmitteln auf duftstofffreie Produkte setzen, da auch einige natürliche Duftstoffe als potenzielle Allergieauslöser gelten, rät Brugger. Dass sich der Umstieg auf umweltfreundliche Mittel auszahlt, zeigt eine Studie der US-Universität Berkeley: Während eine Gruppe von 50 Probandinnen 30 Minuten lang mit den Reinigungsmitteln ihrer Wahl putzte, wurden Luftproben entnommen. Die verwendeten Bleich- und Putzmittel enthielten demnach bis zu siebzehn giftige Stoffe, wie Chloroform, Phenol oder Benzol. „Die Studie macht deutlich, wie stark Reinigungsmittel als potenzielle Krebserreger und hormonelle Störfaktoren wirken können. Man denkt nicht darüber nach, wie schädlich das Reinigen sein kann“, erläutert die Studienleiterin Jessica Cabrera. In einem zweiten Testlauf wurden umweltfreundliche Allzweckreiniger, WC-Reiniger und ein aus Essig, Wasser und Geschirrspülmittel selbst hergestellter Glasreiniger verwendet. Die Luftproben zeigten, dass Schadstoffe wie Chloroform und Benzol durch die ökologischen Alternativen um 86 beziehungsweise 24,8 Prozent reduziert wurden.

„Man benötigt im Haushalt eigentlich nur drei Reinigungsmittel: einen Fett- und einen Kalklöser sowie einen Allzweckreiniger“, sagt Brugger. Auf Desinfektionsmittel könne selbst in Pandemiezeiten verzichtet werden, „außer es ist aus medizinischen Gründen erforderlich“. Er weist zudem darauf hin, dass die Sorge, die Reinigungswirkung nachhaltiger Putzmittel könne geringer als jene herkömmlicher sein, unberechtigt sei. „Bei den Zertifizierungen und Gütesiegeln wird auch die Gebrauchstauglichkeit geprüft“, betont der Experte, der in diesem Zusammenhang einen weiteren Tipp parat hat. So sollte sowohl bei herkömmlichen als auch ökologischen Reinigungsmitteln den Dosierungsanleitungen auf den Verpackungen gefolgt werden, um die Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit möglichst gering zu halten.

 

Grüne Fassadenreinigung

Ein Umdenken hat auch bei der Außenreinigung von Gebäuden eingesetzt. Damit Fassaden wieder im alten Glanz erstrahlen, wird dem Schmutz normalerweise mit diversen im Handel erhältlichen Reinigungsmitteln, meist auf Basis von Tensiden, zu Leibe gerückt. „Wir hingegen verwenden nur Mittel von umweltzertifizierten Herstellern“, sagt Thomas Jäger, Geschäftsführer der gleichnamigen Hausbetreuung. Zudem werde das Schmutzwasser mit Auffangwannen aufgefangen, abgesaugt und umweltgerecht entsorgt. „So tragen wir zusätzlich zum Schutz der Umwelt bei“, so Jäger.

Was Sie beachten sollten bei . . . . . . Reinigungsmitteln

Tipp 1

Dosierung. Alle Reinigungsmittel, auch ökologische, sollten immer möglichst sparsam oder gemäß der empfohlenen Dosierung verwendet werden. Zu viel davon kann sogar zu stärkerer Verschmutzung führen: Ein Film auf der gereinigten Oberfläche kann nämlich als Schmutzfänger fungieren. Für eine wirkungsvolle Reinigung werden zudem Mikrofasertücher empfohlen.

Tipp 2

Essenzen. Essig, Zitronensäure oder auch Natron sind nicht nur wichtige Küchenhelfer, sondern können auch als Reinigungsmittel verwendet werden. Zitronensäure ist hilfreich gegen Kalk, Essig gilt als Universalreiniger und Natron kann als Spül- oder Waschmittel eingesetzt werden. Mit Backpulver lassen sich Töpfe und Pfannen von angebrannten Speiseresten befreien.

Tipp 3

Infos. In der Online-Datenbank Öko-Rein sind sämtliche Produkte zu finden, die das Österreichische Umweltzeichen tragen, sowie jene Produkte, die von der Umweltberatung und der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ als umweltschonend bewertet wurden. Mittlerweile sind hier über 750 Produkte für Privathaushalte gelistet.
www.umweltberatung.at/oekorein

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2022)