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Digital Services Act

Änderungen für WhatsApp-Nutzer

In der Theorie klingt das von der EU beschlossene Gesetz vielversprechend.
In der Theorie klingt das von der EU beschlossene Gesetz vielversprechend.(c) IMAGO/Addictive Stock (IMAGO/Raul Mellado)
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Das von der EU beschlossene Gesetz Digital Services Act soll Messenger interoperabel machen. Was sich dahinter verbirgt und welche Schwierigkeiten das mit sich bringt.

Regelmäßig folgen auf die Aussage „Ich habe kein WhatsApp“ erstaunte Gesichter. Beinahe so, als gäbe es keine alternativen, sichereren Messengerdienste. Verwunderlich ist das nicht, ist der Nachrichtendienst aus dem Facebook-Imperium doch der meistgenutzte. Doch schon bald soll das alles egal sein, zumindest, wenn es nach der EU geht. Denn diese will, wie in einem am Dienstag verabschiedeten Gesetz festgehalten, Messengerdienste interoperabel machen. Was verbirgt sich hinter diesem sperrigen Begriff?

Im Prinzip soll es künftig egal sein, welchen Dienst jemand nutzt. Der Digital Services Act (DSA) sieht vor, dass WhatsApp-Nutzer künftig jeder Nummer aus ihrem Telefonbuch Nachrichten schicken können. Unabhängig davon, ob die Empfänger WhatsApp, Signal, Telegram oder Threema nutzen. Und schon gar nicht müssen diese Apps installiert sein. Fast schon wie damals bei der SMS. Kein Überlegen und Suchen mehr. Doch so einfach ist es leider nicht. Das Gesetz hat Schwachstellen: Nur weil WhatsApp sich für andere Anbieter öffnen muss, heißt das nicht im Umkehrschluss, dass sich die kleineren Anbieter dem anschließen müssen. Zudem gibt es auch Kritik hinsichtlich der Sicherheit.

„Sicherheitweg“. Einer Umfrage der österreichischen Rundfunk- und Telekom-Regulierungs-GmbH (RTR) zufolge, benutzen 78 Prozent der Smartphone-Nutzer in Österreich WhatsApp. Da ist es für die Mitbewerber schwer, sich durchzusetzen. Auch waren die „geplanten Nutzungsbedingungen und der damit verbundene Ärger nur eine Delle“ bei den Marktanteilen, sagte RTR-Chef Klaus Steinmaurer anlässlich der Umfrage. Die Tatsache, dass die große Mehrheit WhatsApp nutze, ist, wie aus der Umfrage hervorgeht, für viele ein Grund zu bleiben.

Dennoch steht er der Interoperabilität kritisch gegenüber: „Wenn ich Messenger interoperabel mache, dann ist die Sicherheit weg.“ „Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist dann nicht mehr möglich, oder auf einem so niedrigen Sicherheitsniveau, dass es keinem mehr etwas bringt“, fügt der RTR-Chef hinzu.

Eben jene Sicherheit, die garantiert, dass Nachrichten auch wirklich privat bleiben und sich nicht einfach jemand dazwischenschalten und mitlesen kann. Möglich wird dies durch die angesprochene Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Hierbei werden Nachrichten beim Absender direkt verschlüsselt und erst beim Empfänger wieder entschlüsselt. Wer versucht zu schnüffeln, erhält nur unleserlichen Code-Salat, bestehend aus Buchstaben und Zahlen, aus denen sich keine Informationen ableiten lassen.

Während der EU-Abgeordnete Patrick Breyer von der deutschen Piratenpartei das Gesetz als großen Wurf feiert und gegenüber ZDF erklärt, dass kleinere Rivalen nun erstmals die Chance bekämen, mit dem Platzhirschen zu konkurrieren, scheinen diese davon gar nicht angetan zu sein.

Klare Absage. Noch können sich eben jene, die davon am meisten profitieren sollten, aussuchen, ob sie sich anschließen. Denn: Vorerst gilt die Vorgabe nur für WhatsApp und für IT-Riesen wie Apple. Beim Krypto-Messengerdienst Threema aus der Schweiz gibt es zum neuen Gesetz eine klare Position, und die ist ähnlich jener von Steinmaurer. Deswegen werde man Chats mit WhatsApp nicht ermöglichen. Apple zeigte sich ebenfalls besorgt, dass mit dem DSA unnötige Datenschutz- und Sicherheitslücken geschaffen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2022)