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Wort der Woche

Umweltgefahr Krieg

Kriege sind auch für die Umwelt eine ernste Gefahr. Sie rücken überdies das Erreichen der CO2-Reduktionsziele in noch weitere Ferne.

Kriege verursachen immenses Leid: Sie töten und verwunden viele Menschen, zerstören Existenzen, lösen Migrationsströme und Hungersnöte aus. Kriege kosten auch sehr viel Geld, beeinträchtigen die Weltwirtschaft, stören Warenströme und gefährden die Energieversorgung. Und Kriege haben auch nicht zu unterschätzende Folgen für die Umwelt.

Das beginnt schon beim Kriegsmaterial: Damit Bomben, Granaten und Raketen möglichst durchschlagskräftig sind, enthalten sie häufig abgereichertes Uran-238 oder wenn sie neueren Datums sind eine Schwermetalllegierung aus Wolfram, Kobalt, Nickel usw (HMTA). Wenn Bombensplitter im Boden mit der Zeit korrodieren, wird diese toxische Mischung von Pflanzen aufgenommen und gelangt so in die Nahrungskette. Ein anderes Beispiel: Der Sprengstoff TNT wird zwar von Mikroorganismen leicht zerlegt, aber andere Explosivstoffe wie Pikrinsäure, RDX (Hexogen) oder HMX (Oktogen) sind hochgiftig und kaum biologisch abbaubar; ähnliches gilt für die gängigen Raketentreibstoffe.

Auch die Militärmaschinerie dahinter ist alles andere als umweltfreundlich – ökologische Kriterien spielen dabei wohl keine große Rolle. Ein Panzer benötigt im Gelände schon einmal 500 Liter Sprit pro 100 Kilometer, ein Kampfflugzeug verbrennt in einer Flugstunde mehrere tausend Liter Treibstoff. Damit gehen auch riesige CO2-Emissionen einher: Die US Army, so wurde einmal berechnet, verursacht sogar in Friedenszeiten mehr CO2-Emissionen als ganz Schweden. Und selbst wenn Militärfahrzeuge zerstört wurden, sind sie noch schmutzig – dann ergießen sich nämlich Tankinhalt, Motoröl, Bremsflüssigkeit usw. über kurz oder lang unkontrolliert in die Landschaft.

Und auch von den Angriffszielen können große Umweltgefahren ausgehen. Attacken auf Treibstoff- und Chemikalienlager führen zu massiven Emissionen von organischen Verbindungen, Ruß und CO2, giftige Chemikalien gelangen in den Boden und ins Grundwasser. Wahre Ökobomben sind etwa Ammoniak-Pipelines oder aufgelassene Kohlegruben, in denen bisweilen (so auch in der Ostukraine) hochgiftiger und zum Teil radioaktiver Abfall deponiert wurde: Treffer haben unweigerlich eine Kontamination der Umwelt zur Folge. Von Kernreaktoren und Atommülllagern gar nicht erst zu reden.

So unklar der Ausgang des Krieges in der Ukraine auch ist: Sicher ist, dass die CO2-Emissionen in die Höhe getrieben werden – nicht zuletzt durch die gesteigerte Waffenproduktion und den für den späteren Wiederaufbau benötigten Zement.

Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Wissenschaftskommunikator am AIT.

meinung@diepresse.com

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2022)