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Serie: Gefühlssache

Von Leistungsdruck beim Sex und guten Ventilen

Erfolg misst man oft anhand der Leistung. Ebenso im Bett. Vielleicht muss Erfolg im Bett aber auch einfach umgedacht werden.

Bin ich gut im Bett? Nicht selten geht Sex mit Leistungsdruck und jede Menge Erwartungen einher. Das sei eng verknüpft mit dem Thema Consent, weiß Sascha Schmid. Er ist Sexological Bodyworker in Wien und hilft seinen Klientinnen und Klienten durch Atem, Stimme, Bewegung und Berührung, ebenso durch Gespräche, sich ihren Körper näherzubringen und etwaige (sexuelle) Probleme anzugehen - eine Art körperliche Sexualpädagogik. „Beim Sex geht es oft um die Frage, was wird von mir erwartet“, sagt Schmid, „wenn ich eine sexuelle Handlung mit einer Person machen möchte, entsteht oft schon im Vorfeld die Befürchtung, dass diese Person dann auch noch weitere bestimmte Handlungen von mir erwartet.“ Die Arbeit mit dem eigenen Körper bedinge das Erkennen und Akzeptieren von Grenzen, wie er sagt. Überhaupt denke man in puncto Sexualität zu zielorientiert, wenn auch manchmal unbewusst.

„Ein Orgasmus kann sehr schön sein, aber für viele ist er das einzige Ziel beim Sex. Sex ist gleich ,Wie komme ich zum Orgasmus?', dadurch geht vieles am Weg verloren“, sagt Schmid. Oft münde das in einer Art Leistungsdruck. Dabei können der gebende und empfangende Teil gleichermaßen unter Druck geraten. „Viele denken auch, ich muss jetzt einen Orgasmus haben, weil angenommen wird, dass dem oder der anderen beim Stimulieren schon langweilig wird“, weiß Schmid aus seinen Sitzungen. Das betreffe Frauen wie Männer. Mit Lust an sich verhalte es sich ähnlich, sagt Raffaela Kellner. Sie ist Psychotherapeutin in Wien, einer ihrer Schwerpunkte ist die Paar- und Sexualtherapie. „Ein Symptom von Leistungsdruck ist neben Erektions- und Orgasmusschwierigkeiten generelle Lustlosigkeit“, so Kellner. Oft treibe das die Betroffenen in eine Negativspirale. „Gedanken wie, ich sollte doch jetzt wollen, sind wahrzunehmen und ich darf mich dabei ernst nehmen. Sich Druck zu machen, weil die Lust fehlt, ist quasi Gift für die Sexualität.“

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