Zuerst denken, dann besteuern

Reiche zur Kasse zu bitten mag gut ankommen. Ob es den Armen hilft, ist ungewiss.

Viel Schwachsinn haben sie geredet: jene US-Demokraten, die zu wissen glauben, dass die „Reichen für die Krise zahlen müssen“. Und auch Präsident Obama, für den klar ist, dass eine Reichensteuer 700 Mrd. Dollar in die leeren Staatskassen spülen würde.

Ein besonnener Politiker würde zu verstehen versuchen, ob die Besteuerung der Reichen gesamtwirtschaftlich etwas bringt. Ganz abseits von Neiddebatte und Populismus. Als Extrembeispiele: Bei einem Steuersatz von null würde eine Erhöhung sicher mehr Einnahmen bringen, bei 99 Prozent wäre garantiert das Gegenteil der Fall.

Die finanzielle Mobilität der Amerikaner spielt Obama nicht in die Hände. Erhöhten die USA die Steuern für Reiche, würden viele ihr Geld ins Ausland bringen. Die Gesamteinnahmen stiegen keinesfalls automatisch an. Der Chef der Republikaner, John Boehner, der die Steuer gleich mal als „Hühnerdreck“ abtat, dürfte damit sogar recht haben.

stefan.riecher@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2010)

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