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Kleid von Nehera, Brille von Luxottica.
Salzburger Festspiele

Regula Mühlemann, voll Tatendrang als Pamina

Mit ihren Mozart-Arien begeistert die Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann ihr Publikum auf der ganzen Welt. Bei den Salzburger Festspielen feiert sie heuer ihr Rollendebüt als Pamina.

Mutig, selbstbewusst und voller Tatendrang  – so sieht Regula Mühlemann die Pamina, und so möchte sie sie auch gerne auf die Bühne bringen. Am 30. Juli feiert die Schweizer ­Sopranistin ihr Rollendebüt in der Salzburger „Zauberflöte“. Die letzten zwei Jahre hatte Corona das immer wieder verhindert. „Ich habe mich sehr auf diese Rolle gefreut“, erzählt die Sängerin, die schon als Kind von Mozart begeistert war. Der Komponist war dann auch die Initialzündung für ihre Karriere. „Meine Tante nahm mich mit zu einer Aufführung des ,Figaro‘ in Zürich. Damals habe ich mich in Barbarina verliebt!“

Und wie es das Schicksal will: Barbarina war Mühlemanns erste Opernrolle als professionelle Sängerin – am Luzerner Theater. Luzern ist die Heimatstadt der Schweizerin, dort hat sie auch Gesang studiert. Erste Auslandsengagements führten die junge Sängerin u. a. ans Teatro La Fenice nach Venedig und zu den Salzburger Festspielen: Im Sommer 2012 gab sie hier ihr Debüt als junge Papagena in der Oper „Das Labyrinth“. „Das ist zehn Jahre her, ich habe gerade von Facebook die Erinnerung bekommen“, sagt die 36-Jährige schmunzelnd. „Damals lief in der Felsenreitschule auch die ,Zauberflöte‘ unter Harnoncourt, die habe ich mir natürlich angesehen. Da dachte ich, es wäre schön, eines Tages die Pamina bei den Festspielen zu singen...“

Regula Mühlemann trägt ein Kleid von Nehera und eine Brille von Luxottica.
Regula Mühlemann trägt ein Kleid von Nehera und eine Brille von Luxottica.Jork Weismann

Die Vielschichtigkeit ist es, die die Sängerin an Mozart so begeistert – und dass er unglaubliches Musiktheater schreibt. „Er hat so eine tiefe und sensible Menschenkenntnis und eine präzise Vorstellung von der Psyche der Figuren. Für mich ist Mozart deshalb zusammen mit Verdi der größte Opernkomponist. Kaum ein anderer Komponist kann so lebensechte Charaktere zeichnen und sie durch Musik zum Leben erwecken. Es geht bei ihm primär um die Beziehungen der Personen zueinander. Das macht Mozart so zeitlos.“

Tiefe zwischenmenschliche Verstrickungen

Lydia Steier hat die „Zauberflöte“ 2018 für Salzburg inszeniert, sie ist im Vorkriegswien um 1913 angesiedelt, beginnt mit einem Familienidyll und spielt mit den Erzählebenen. Der Großvater liest seinen drei Enkelkindern die Opernhandlung als Märchen vor. Die Puppenstubenatmosphäre weicht aber bald fantastischeren Welten. Für die Neueinstudierung hat Steier die Inszenierung komplett überarbeitet. „Fast alles ist neu“, verrät Mühlemann. „Es ist eine schöne Zusammenarbeit.

Komplettlook von Gucci, Schuhe von Miu Miu.
Komplettlook von Gucci, Schuhe von Miu Miu.Jork Weismann

Lydia ist wie ich der Meinung, dass Pamina eine starke Frau sein soll. Oft wird sie als Spielball dargestellt und verharrt in der Opferrolle – doch das ist sie nicht. Vielmehr wehrt sie sich ständig gegen ihr vermeintliches Schicksal und stellt sich der Obrigkeit mutig entgegen.“ Die tiefen zwischenmenschlichen Verstrickungen, um die es bei Mozart geht, seien in der „Zauberflöte“ komplexer als in den Da-Ponte-Opern.

Darin, dass sich eben nicht alle Fragen beantworten lassen, liege aber auch viel von dem Zauber, der dem Stück innewohnt. Die Prüfungsarie („Ach, ich fühl’s, es ist verschwunden. Ewig hin der Liebe Glück.“) ist auch für die Sängerin eine emotionale Herausforderung. Sie kann sich aber gut in die Situation hineinversetzen. „Pamina hat sich sehr in Tamino verliebt, außerdem ist er ihre letzte Hoffnung, dem Schicksal zu entrinnen.

„Mozart wird mich ein Leben lang begleiten. Ich werde immer mit ihm und an ihm lernen.“

Und dann, als die beiden sich wiedersehen, spricht er nicht mehr mit ihr. Das ist doch die schlimmste Form von Liebesentzug. Die tiefe Trauer, die in dieser Arie steckt, ist für mich absolut nachvollziehbar.“

Weibliches Leading-Team

Mit Joana Mallwitz am Pult hat die Zauberflöte ein überwiegend weibliches Leading Team. Mallwitz, Generalmusikdirektorin am Staatstheater Nürnberg, feierte vor zwei Jahren ihr Festspieldebüt: 2020 dirigierte sie die „Così fan tutte“ in der Inszenierung von Christof Loy. „Ich habe Joana Mallwitz in der ,Così‘ gehört und war begeistert. Die Zusammenarbeit ist fantastisch, ihr Zugang zu Mozart holt mich total ab“, so Mühlemann.

Worauf sie sich auch freut: In der kommenden Saison hat sie eine Residenz am Wiener Konzerthaus, wo sie vier Konzerte singt, davon ein Liederabend mit Schweizer Liedern. Der Liedgesang ist der Sängerin auch ein großes Anliegen, sie kommt gerade von der Schubertiade Schwarzenberg. „Lied und Oper bereichern einander“, ist sie überzeugt. Was die Zukunft betrifft, will Mühlemann sich im romantischen Fach umschauen. Mozart wird sie aber ihr Leben lang begleiten: sie werde immer „mit ihm und an ihm lernen“.

Tipp

„Zauberflöte“. Vom 30. Juli bis 27. August, Haus für Mozart, Dirigentin: Joana Mallwitz, Regie: Lydia Steier, mit Mauro Peter als Tamino, Brenda Rae als Königin der Nacht. Mehr Infos: www.salzburgerfestspiele.at

("Die Presse Schaufenster" vom 15.07.2022)