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Philosophie

Ist die Umwelt wichtiger als der Mensch?

Immer mehr setzt sich das Weltbild durch, dass Natur einen Wert an sich habe, ohne Mittel für unsere Zwecke zu sein. Ethiker argumentieren mit dem Gedankenexperiment vom „letzten Menschen“. Hat es sich bewährt?

Stellen Sie sich vor: Eine Katastrophe, wohl von unsereins verursacht, hat alle Menschen dahingerafft – bis auf einen. Auch er hat nur mehr kurz zu leben. Aber er will nicht allein untergehen. Der letzte Mensch hat eine Technologie zu Handen, mit der er alles zerstört, was noch lebendig ist, Tiere und Pflanzen, bis hin zu den Bakterien. Ist das moralisch schlecht, ist es böse? Die meisten würden wohl sagen: Ja. Obwohl keine anderen Menschen mehr da sind, denen er damit schaden könnte.

Mit diesem Gedankenexperiment wollte der neuseeländische Philosoph Richard Routley begreiflich machen, dass mit der westlichen, „anthropozentrischen“ Tradition der Ethik etwas nicht stimmt. Das war in den Siebzigerjahren. Die Idee, dass die Natur an sich einen Wert hat, mehr ist als ein Mittel für unsere Zwecke, spukte damals in den Industriestaaten nur durch die Köpfe von Hippies und New-Age-Anhängern. Sie glaubten an Gefühle von Bäumen und umarmten diese heftig. Mit solch esoterischer Schwärmerei hatte der Logiker Routley nichts am Hut. Er wollte nüchtern nachweisen, dass wir für die Umwelt moralisch verantwortlich sind, unabhängig davon, ob sie Menschen nützt.

Heute setzt sich diese „biozentrische“ Sichtweise immer stärker durch. Seltsam: Die Klimakrise hat doch primär gelehrt, dass wir uns selbst gewaltig schaden, wenn wir zu stark in ökologische Systeme eingreifen. Aber parallel dazu wuchs auch die Intuition, dass wir uns die Erde aus Prinzip nicht „untertan machen“ dürfen, dass wir nur eine Art unter vielen sind, ohne Vorrechte, dass wir die Erde „nur geliehen bekommen haben“ – von der Natur selbst. Es mag also lohnen, sich der philosophischen Wurzel dieser Weltsicht zu besinnen. Was taugt sie?

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