OMV-Prozess: Auch Treichl verteidigt Ruttenstorfer

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TREICHL(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (Herbert Pfarrhofer)
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Der Chef der Erste Group hält das Thema Insiderhandel jedoch "für zu komplex, um es in Inseraten abzuhandeln", wie dies 27 heimische Spitzenmanager taten. Die Gesetze zum Insiderhandel hält er für reformwürdig.

Erste-Group-Chef Andreas Treichl ist sich "völlig sicher", dass der wegen Verdachts auf Insiderhandel angeklagte OMV-Boss Wolfgang Ruttenstorfer "das OMV-Aktienpaket nicht gekauft hat, um einen Vorteil daraus zu ziehen", sagte er dem "Standard" (Dienstag). Trotzdem will sich Treichl nicht per Zeitungsannonce hinter Ruttensdorfer stellen, wie dies 27 heimische Spitzenmanager taten. "Ich halte das Thema Insiderhandel für zu komplex, um es in Inseraten abzuhandeln". Es sei "sehr schwierig", zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden, so der Banker. 

Beim Insiderhandel gebe es "etliche Probleme", sagte Treichl dem Blatt. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) müsse Insider-Tatbestände verfolgen "und jeder Vorstand einer börsenotierten Aktiengesellschaft ist Insider, und zwar immer". Schwierig zu entscheiden sei jedoch, wann ein Vorstand aus einer Transaktion einen Vorteil erzielen kann. Im Fall Ruttenstorfer sei er völlig sicher, dass er sich mit dem Kauf des OMV-Aktienpakets keinen Vorteil verschaffen wollte. Dieser hätte ja nicht wissen können, wie der MOL-Verkauf den Kurs beeinflusst. Doch das sei für die Aufsicht, "die korrekt vorgegangen ist, irrelevant - und mit dem Problem muss man sich ernsthaft beschäftigen", so der Bank-Chef.

"Manager könnten Aktienkauf mit FMA klären"

Er hielte es für klug, das Börsegesetz dahingehend zu ändern, dass Manager, die im Rahmen eines Aktienprogramms Papiere kaufen wollen, das mit der Aufsicht abklären können. Es müsse aber fixiert werden, dass nicht diese Frage allein eine Ad-hoc-Meldepflicht nach sich zieht.

Der Prozess gegen OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer, der des Insiderhandels verdächtigt wird, soll am 27. Jänner 2011 starten. Am 17. November hatte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Ruttenstorfer erhoben. Dieser hatte im März 2009 ein Aktienpaket um rund 632.000 Euro gekauft und in einem "profil"-Interview gesagt, dass die OMV den MOL-Anteil auf jeden Fall bis Ende 2009 halten werde. Eine Woche später verkaufte die OMV ihren MOL-Anteil aber an den russischen Ölkonzern Surgutneftegaz um 1,4 Mrd. Euro.

(APA)

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