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PISA: Schmied bietet ÖVP Gesamtschul-Kompromiss an

Die Unterrichtsministerin erhöht den Druck auf die ÖVP, die Zehn-Prozent-Grenze für die Neue Mittelschule zu kippen. "PISA-Erfinder" Schleicher rät Österreich zur Einführung der Gesamtschule.

Nach der Veröffentlichung der schlechten PISA-Ergebnisse forderte Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) einen "nationalen Schulterschluss". Heute, Mittwoch, erhöhte sie den Druck auf die ÖVP, einem Ausbau des Schulversuchs "Neue Mittelschule" zuzustimmen. Derzeit ist die Zahl der Neuen Mittelschule, einer Art Vorstufe zur Gesamtschule der Zehn- bis 14-Jährigen, auf zehn Prozent begrenzt.

Bei einem derartigen Ausbau "könne auch die ÖVP mit", die die gemeinsame Schule sonst aus ideologischen Gründen ablehnt, so Schmied. Dieser Schultyp setze genau an den abgefragten Grundkompetenzen an, so Schmied im Interview. "Es wird gelingen, mit den konstruktiven Kräften in der ÖVP voran zu kommen", gab sie sich optimistisch.

Der PISA-Erfinder in der OECD, Andreas Schleicher, forderte am Dienstag in der "Zeit im Bild" überhaupt die Umstellung auf ein Gesamtschulmodell. Keines der Spitzenländer beim Test habe ein gegleidertes Ausbildungssystem, so Schleicher. In diesen Ländern werde "nicht sortiert, sondern gefördert und auch gefordert".

Faymann: ÖVP mit Argumenten überzeugen

Auch Kanzler Werner Faymann (SPÖ) drängte auf eine rasche Bildungsreform. Der Ausbau der Kinderbetreuung, der Vorschule und von Ganztagsschulen müssten mit der frühen Einführung einer gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen kombiniert werden.

Faymann hält nichts von einer frühen Trennung bei den Bildungswegen, es gelte, "möglichst lange Chancengleichheit zu gewährleisten". Die ÖVP wolle er mit Argumenten überzeugen: "Es ist die Kraft des Arguments und es ist die Kraft der öffentlichen Meinung", so Faymann am Dienstag.

Pröll: Gesamtschuldebatte "verfehlt"

Der Koalitionspartner sieht die PISA-Ergebnisse aber nicht als Grund für eine Debatte um die Gesamtschule. Es wäre "völlig verfehlt", auf das "desaströse" PISA-Ergebnis mit der Gesamtschuldebatte zu antworten, so Parteichef Vizekanzler Josef Pröll. "Die PISA-Ergebnisse beruhen vor allem auf den Lesemängeln und das wird in der Volksschule gelehrt. Dort haben wir als einziges in Österreich eine Gesamtschule".

Die Kinder dürften nicht über einen Kamm geschoren werden. Besonders Begabte einerseits und jene, die nicht mitkönnen, aus welchen Gründen immer, seien ganz besonders zu fördern. "Das geht nicht mit einem Einheitsbrei, sondern mit Differenzierung".

Karl: Verpflichtende Nachmittagsbetreuung

Ähnlich Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP): Ihr zufolge müsste viel mehr bei der Volksschule angesetzt werden. Denn dort würden die Grundkulturtechniken erlernt. Aufhorchen ließ Karl auch mit dem Vorschlag nach einer verpflichtenden Nachmittagsförderung für Schüler mit Schwächen.

Gegen eine Diskussion über die Gesamtschule sprachen sich auch ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf und die neue Familienstaatssekretärin Verena Remler aus. Letztere sogar noch bevor sie darüber befragt wurde. Wie Karl meinte auch Kopf, dass Kinder mit zehn Jahren schon lesen, schreiben und rechnen können müssten. Die durch PISA zutage geförderten Probleme seien daher in der Volksschule zu suchen.

(APA/Red.)