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Sensation: Die Leseratte ist in den USA und auf TikTok zuhause

Vom Auslaufmodell zum Trendsetter: Eine kleine unabhängige Buchhandlung in Brooklyn, New York.
Vom Auslaufmodell zum Trendsetter: Eine kleine unabhängige Buchhandlung in Brooklyn, New York.(c) imago images/Richard Levine (Richard Levine via www.imago-ima)
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Welch Gegentrend: In Amerika schießen kleine Buchhandlungen aus dem Boden, und auf der Teenie-Plattform werden literarische Bestseller gemacht.

So sehen wir es gewöhnlich, in der Abenddämmerung des Abendlandes: Die Menschen lesen immer weniger Bücher, und wenn, dann nur noch als E-Book. Alles Gedruckte hat bald ausgedient, Buchhandlungen gehen ein, es wird ja nur mehr online bestellt, bei Amazon.

Dort steht: „Kunden, die Artikel in Ihrem Einkaufswagen gekauft haben, haben auch Folgendes gekauft“, und da klicken wir dann drauf, zuhause auf der Couch, so praktisch, so einsam. Und weil ja alles in unserer atomisierten Digitalwelt aus den USA kommt, ist auch diese Entwicklung dort sicher schon viel weiter fortgeschritten – for better or for worse.
Aber mal ehrlich: Wollen Sie sich wirklich von einem anonymen Algorithmus einreden lassen, welches Buch Sie als nächstes lesen? Und wenn nein: Ticken die Amerikaner so anders? Eine Überraschung, jüngst zu lesen in der „New York Times“: Der Absatz gedruckter Bücher stieg bei ihnen im Jahr 2020. Das war kein Lockdown-Sondereffekt, denn im Jahr darauf legte er weiter zu, um zehn Prozent. Noch unglaublicher: Überall in den USA schießen kleine, unabhängige Buchhandlungen aus dem Boden. Heute gibt es davon um 300 mehr als vor zwei Jahren, 200 weitere machen bald auf. Warum? Brancheninsider haben eine vorgestrig klingende Erklärung parat: Menschen wollen, dass echte Menschen ihnen Bücher empfehlen, in leibhaftiger Präsenz, in unmittelbarer räumlicher Nähe und aus eigenem Mund. Wer hätte das gedacht.

Dieser Trend bewirkt auch, dass eine Speerspitze der digitalen Innovation durch fast schon missbräuchliche Nutzung abstumpft. TikTok, das soziale Netzwerk aus China, ist bekanntlich der liebste Tummelplatz der Teenager. Bisheriger Hauptzweck (zugegeben polemisch formuliert): Junge Menschen, denen fad ist, machen sich aus freien Stücken lächerlich, indem sie in musikalisch untermalten Kurzvideos vor laufender Kamera herumhopsen.

Mund-zu-Mund-Propaganda lebt wieder auf