Iranischer Berlinale-Sieger Panahi muss sechs Jahre ins Gefängnis

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Jafar Panahi ("Taxi Teheran") ist das prominenteste Opfer einer Repressionswelle im iranischen Filmwesen. Er war vergangene Woche festgenommen worden, bereits als dritter iranischer Regisseur.

Jafar Panahi, einer der angesehensten iranischen Regisseure, muss eine sechsjährige Haftstrafe antreten. Der 62-Jährige werde diese im berüchtigten Teheraner Gefängnis Evin verbüßen, teilte die iranische Justizbehörde am Dienstag mit. Weshalb? Panahi wurde vergangene Woche festgenommen, angeblich nach einem Besuch in Evin: Er soll sich dort nach zwei anderen regimekritischen Filmemachern erkundigt haben, deren Festnahme bereits am vergangenen Freitag bekannt wurde: Mohammad Rasulof (mit seinem Anti-Todesstrafen-Drama "Doch das Böse gibt es nicht" ebenfalls ein Berlinale-Gewinner) und Mostafa Al-Ahmad. Ihnen wird "Anstiftung zur Unruhe" zur Last gelegt. 

Laut Nachrichtenagentur IRNA haben Rasulof und Al-Ahmad – nebst etlichen anderen Filmschaffenden – einen mit dem Hashtag "Put your gun down" (Legt eure Waffe nieder) versehenen Appell gegen Polizeigewalt unterzeichnet. Dieser verurteilt die Niederschlagung von Protesten in der südwestiranischen Stadt Abadan: Am 23. Mai war dort ein Gebäude eingestürzt, mindestens 40 Menschen kamen ums Leben. Die Wut Angehöriger wuchs sich zu größeren Demonstrationen aus, das Regime reagierte mit Repression.

Panahi darf keine Filme mehr drehen

Panahi war schon 2010 wegen "Propaganda gegen das Regime" zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden, zudem darf er 20 Jahre lang keine Filme drehen, Drehbücher schreiben oder sich gegenüber Medien äußern. Ihm wurde vorgeworfen, im Jahr 2009 Proteste gegen die Wiederwahl des ultrakonservativen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad unterstützt und kritische Filme gedreht zu haben.

Trotzdem wurde 2011 in Cannes ein Film von ihm uraufgeführt: Das heimlich im Hausarrest gedrehte Selbstporträt "This Is Not a Film", angeblich auf einem USB-Stick versteckt in einem Geburtstagskuchen aus dem Iran nach Cannes geschmuggelt. Seine Filme erzielten Erfolge auf den internationalen Festivals, auf denen aus Protest gegen die iranische Justiz häufig ein Stuhl mit seinem Namensschild freigehalten wurde. 2018 gewann sein Film "Drei Gesichter" den Preis für das beste Drehbuch in Cannes.

Der auch durch steigende Nahrungsmittelpreise befeuerte Missmut der iranischen Bevölkerung hat die Regierung in Teheran, seit 2021 geführt vom Hardliner Ebrahim Raisi, offenbar in Alarmbereitschaft versetzt. Zuletzt kam es verstärkt zu Verhaftungen, auch im Filmsektor: Schon am 10. Mai wurden die Dokumentaristinnen Firouzeh Khosrovani und Mina Keshavarz temporär inhaftiert.

Französische Regierung besorgt

Die französische Regierung zeigte sich "besorgt über zahlreiche Festnahmen bekannter Iraner, die sich für Meinungsfreiheit in ihrem Land einsetzen".

(APA/AFP/Red.)

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