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Nachruf

Oldenburg: Das große Kind der Pop Art ist tot

Löffelbrücke und Kirschbrunnen von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen im Minneapolis Sculpture Garden, Objekte , Landschaft; 2003, Minnesota, Minneapolis, Walker Art Center.
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Mit 93 Jahren ist der letzte noch lebende Gigant der frühen Pop Art in New York gestorben: Claes Oldenburg erfand die „Soft Sculpture“ und machte die Micky Mouse zu seinem Alter Ego.

Eine fette Schlagobershaube, gekrönt von einer fetten roten Kirsche krönt derzeit den „Vierten Sockel“ auf Londons Trafalgar Square, einer der prominentesten Orte für zeitgenössische Skulptur unserer Zeit. Sofort denkt man – Claes Oldenburg! Doch dann sieht man eine Drohne und eine Fliege am üppigen Naschwerk sitzen, liest den apokalyptischen Titel „The End“ und hat den Namen der Schöpferin, Heather Phillipson, auch schon wieder vergessen.

Die Kirschen Claes Oldenburgs waren einfach Kirschen, mehr Verlockung, Glanz, Aufladung brauchten sie nicht, sie mussten nur auf einer Löffelspitze balancieren, als wollten sie einem gleich in den Mund springen (bzw. einen eher erschlagen), wie im Walker Art Center in Minneapolis. Ähnlich die blütenweißen Federbälle, die polierten Gartenschaufeln, nicht zu vergessen die traumhaften Eistüten, die Oldenburg auf Hochhausdächer fallen ließ. Als wären sie einem Erzengel plötzlich entglitten. Alles kolossale Konsumgüter, durch ihre pure Größe zur Skulptur, zum Denkmal geadelt.

Einfluss auf Koons und Wurm

Denken Sie jetzt an Erwin Wurm etwa, der auf das Mumok einst ein Einfamilienhaus fallen ließ, oder an Jeff Koons mit seinem aufgeblasenen Trash, so ist das goldrichtig. Oldenburg, dieser neben Andy Warhol und Roy Lichtenstein Gigant der frühen Pop-Art, der einzige, der bis in unser Heute noch lebte, hat die Bildhauerei seit der Nachkriegszeit wesentlich beeinflusst. Auf ihn beziehen sich, zu ihm müssen alle Stellung nehmen, die in der Skulptur weitergehen wollen.