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Salzburger Festspiele

Currentzis desavouiert die Musik nicht

Will Currentzis die Musik für sich sprechen lassen – oder verschanzt er sich hinter der Partitur?(c) Salzburger Festspiele/MarcoBorrelli
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Auftakt zur Ouverture spirituelle: Einhellige Begeisterung für Teodor Currentzis und das fulminante Gustav Mahler Jugendorchester mit Schostakowitschs Symphonie „Babi Jar“.

Am Ende hat er es wieder getan. Das, was ihm im realen Leben vorgeworfen wird und was in der Kunst dann und wann umso wichtiger ist: Teodor Currentzis hat geschwiegen. Lang dauerte die Stille im Großen Festspielhaus nach Dmitri Schostakowitschs Symphonie Nr. 13, lang. Als die Musik verloschen war, wagten die Streicher des Gustav Mahler Jugendorchesters kaum mit ihren Bögen in der Luft zu zittern, während der Dirigent mit gespannter Reglosigkeit eine Gedenkminute abzuhalten schien...

Freilich, der Jubel kam auch diesmal, aber entsprechend verzögert – in gebotenem Ehrfurchtsabstand zur Symphonie „Babi Jar“. Sie liefert musikalisch das, was Jewgeni Jewtuschenko 1961 in seinem gleichnamigen Gedicht beklagt hat: „Über Babij Jar, da steht keinerlei Denkmal.“ In dieser Schlucht bei Kiew wurden 1941 mehr als 33.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder von nazideutschen Soldaten ermordet. Jewtuschenkos Gedicht und 1962 Schostakowitschs Symphonie, die es als Kopfsatz vertont, brachen das Schweigen – ein mutiger Akt, zumal Jewtuschenko auch den unbeirrten Antisemitismus anprangerte. Kein Wunder, dass das Werk bald von den sowjetischen Programmen verschwand.