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Studie: Migranten wollen bessere Integration im ORF

Studie Migranten wollen bessere
(c) APA (HARALD SCHNEIDER)
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Zuwanderer sehen sich nicht als „selbstverständlichen Teil der Gesellschaft“ repräsentiert.

Wien. Die größeren Migrantengruppen nutzen die ORF-Programme seltener als die Mehrheitsbevölkerung. Daher beauftragte der Sender Fritz Hausjell, Professor am Wiener Publizistikinstitut, der Sache auf den Grund zu gehen. Die Ergebnisse der Studie liegen nun vor.

Fazit: Migranten fühlen sich im ORF nicht ausreichend integriert. Sowohl im Programm als auch unter den Mitarbeitern fehle es an ausreichender Vertretung. Kritisiert wurde etwa, dass immer dieselben Personen zu Wort kommen, etwa um Muslime zu repräsentieren. Säkulare Türken hingegen würden vergleichsweise selten befragt. Bei den meisten Sendungen würden Migranten kaum inkludiert sein. Als positive Ausnahme wurde „Wien Heute“ genannt, denn bei Straßenumfragen würden dort auch Migranten berücksichtigt.

Da sich Migranten nicht als „selbstverständlichen Teil“ der Gesellschaft in den Medien wahrgenommen sehen, wenden sie sich Medien aus ihren Herkunftsländern bzw. österreichischen Migrantenmedien zu. Zweifelsohne liegt es im Interesse des ORF, diese Migranten für sich zu gewinnen, doch – so kritisierten Vertreter der Migrantenmedien – werbe er in deren Medien nicht.

 

Lob und Tadel

Viele Migranten, vor allem höher gebildete, fühlen sich vom ORF bevormundet und erleben ihn als paternalistisch. Darauf angesprochen, meint Klaus Unterberger, Leiter des Public-Value-Kompetenzzentrums des ORF, dass die „Studie kein geschlossenes Bild des ORF“ widerspiegle, man jedoch reagieren wolle, wenn sich Migranten vom ORF „nicht ausreichend betreut fühlen“.

Die Studie zeigt, dass dem ORF grundsätzlich Vertrauen entgegengebracht werde. Vor allem das Bemühen, mittels einer Studie Meinungen der Migranten zu eruieren, wurde „positiv honoriert“, so Hausjell. Doch der Wunsch nach Programmen, die die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln, ist stark. Auch an konstruktiven Ideen mangelte es nicht. Im Rahmen der Diskussionen wurde ein interkulturelles Kochsendungsformat entwickelt, in dem ein Österreicher mit einem Migranten kocht und der Zuschauer etwas über nationale Ess- und Tischgewohnheiten erfährt.

Besonders türkische Migranten wünschen sich die Berücksichtigung wichtiger Ereignisse in der Türkei. Das gelte etwa für Wahlergebnisse. Diese würden, so sie andere europäische Länder betreffen, eher aufgegriffen. Lob gibt es für die wöchentliche Sendung „Heimat fremde Heimat“, die vor längerer Zeit in Gefahr war, abgesetzt zu werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.12.2010)