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Zinswende

EZB erhöht Zinsen kräftig

(191122) -- FRANKFURT, Nov. 22, 2019 -- President of the European Central Bank (ECB) Christine Lagarde addresses the 29t
EZB-Präsidentin Christine Lagarde sorgt für den ersten Zinsschritt in der Eurozone seit 2011.imago images/Xinhua
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Am Donnerstag entschied die Zentralbank, den Leitzins um 0,5 Prozent anzuheben. Sie vollzieht damit die Zinswende. Denn es ist die erste Zinserhöhung in der Eurozone seit 2011.

Dass die Zinswende kommt, war seit der Juni-Sitzung der EZB keine Überraschung mehr. Damals war aufgrund des steigenden Inflationsdrucks in der gesamten Eurozone bereits beschlossen worden, dass die Anleihenkäufe per Anfang Juli auslaufen sollen und in der Juli-Sitzung die Zinsen wieder angehoben werden sollen. Die offene Frage war zuletzt lediglich: Erhöht die EZB um 0,25 Prozent oder geht sie sogar einen großen Schritt um 0,5 Prozent?

Am Ende sind es dann 0,5 Prozent geworden, wie die EZB am Donnerstagnachmittag mitteilte. Der EZB-Rat habe es als angemessen angesehen, einen größeren ersten Schritt zu setzen, als in seinem letzten Meeting angegeben, heißt es von der Zentralbank. Grund für diese Entscheidung sei einerseits die aktuelle Inflationsentwicklung als auch die Rolle des neuen Anti-Fragmentierungs-Instruments TPI, das am Donnerstag ebenfalls vorsgestellt wurde.

EZB-Hilfe für Italien

Da die Zinswende vor allem für stark verschuldete Staaten wie Italien, dass durch den Rücktritt von Premierminister Mario Draghi am Donnerstag zeitgleich zur EZB-Entscheidung in eine veritable Regierungskrise geschlittert ist, Schwierigkeiten bringen könnte, kündigte die EZB am Donnerstag auch ein neues Instrument an, um die „Fragmentierung“ der Eurozone zu verhindern. Das sogenannte „Transmission Protection Instrument“ TPI soll dafür sorgen, dass sich Entscheidungen der EZB „gleichmäßig“ über die gesamte Eurozone verteilen, so die Zentralbank.

In den vergangenen Wochen waren die Renditen der italienischen Staatsanleihen bereits kräftig angestiegen und lagen deutlich über jenen der Bench-Mark Deutschland. Das spiegelt die Unsicherheit der Märkte über die künftige Entwicklung in Italien wieder. So gibt es die Sorge vor einer neuen Euro-Krise mit Italien als Hauptrolle. 

Für die künftigen Zinssitzungen will die EZB nun von Fall zu Fall über weitere Zinserhöhungen entscheiden, um zum Inflationsziel von zwei Prozent zurückzukommen. Damit wurde der Fahrplan vom Juni wieder aufgehoben. Damals hatte es geheißen, dass es im September definitiv einen weiteren Zinsschritt geben werde. Dieser hätte laut der Planung von Juni dann erst um 0,5 Prozent ausfallen sollen. Für die Zeit nach September wollte man auch im Juni die Lage mit den dann aktuellen Daten zu Inflation und Konjunktur neu beurteilen. An den Märkten wurde zuletzt jedenfalls mit einem weiteren Schritt im Oktober oder Dezember gerechnet, sodass gegen Ende dieses Jahres die Leitzinsen in der Eurozone zumindest zwischen 0,75 und einem Prozent liegen dürften.