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Interview

Corona-Experte Klimek: "Covid-19 bei Hälfte der Spitalspatienten Nebendiagnose"

Respiratory Therapists Treat Covid-19 Patients At Chicago Hospital
"Wir müssen bei jedem Covid-19-Patienten die Hintergründe kennen, die zum Spitalsaufenthalt geführt haben, um abschätzen zu können, welche Personen das höchste Risiko für Hospitalisierungen haben, und welche Behandlung sie benötigen", sagt Peter Klimek.Getty Images
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Komplexitätsforscher Peter Klimek von der Med-Uni Wien, Mitglied der Coronakommission, spricht über das mögliche Ende der Isolationspflicht für positiv Getestete, den Kontrollverlust über das Infektionsgeschehen und die größten Herausforderungen für die kommenden Monate.

„Unseren neuesten Zahlen zufolge macht der Anteil der Spitalspatienten mit Covid-19 als Nebendiagnose etwa die Hälfte der Fälle aus, mit einer steigenden Tendenz“, sagt Peter Klimek, Komplexitätsforscher an der Med-Uni Wien und Mitglied der Coronakommission (Ampelkommission) sowie des Prognosekonsortiums der Bundesregierung. „Die Mehrheit der Patienten befindet sich also nicht wegen Covid-19 im Spital. Diese Situation ist auch deswegen pervers, weil ausgerechnet die Spitäler der einzige Ort sind, an dem das Infektionsgeschehen durchgehend kontrolliert wird. Damit bilden die Spitalszahlen zunehmend die allgemeine Infektionslage ab, aber nicht mehr die Anzahl der schweren Verläufe, die uns ja eigentlich interessiert."

Was das seit Wochen diskutierte Ende der Isolationspflicht für positiv Getestete angeht, hält er diesen Schritt „derzeit auch in Österreich für möglich, ohne das Gesundheitssystem unmittelbar zu gefährden. Andere Länder wie etwa Spanien und Großbritannien gehen diesen Weg schon seit Monaten – dort hat es die Spitäler auch nicht zerrissen." Was ihn an der Debatte aber störe, sei das Argument, „wonach wir die Isolationspflicht abschaffen sollten, weil sich ohnehin niemand daran hält oder sie keinen Nutzen mehr hat. Die Begründung sollte einer umgekehrten Logik folgen. Die Länder, in denen die Aufweichung der Isolation erfolgreich umgesetzt wurde, haben diese Maßnahme nicht damit erklärt, dass es sinnlos ist, sich zu isolieren. Sondern damit, dass es selbstverständlich sein sollte, im Krankheitsfall zu Hause zu bleiben und sich auszukurieren.“

Um zur Normalität zurückzukehren, müsse im Gesundheitsbereich eine nachhaltig geordnete Struktur etabliert werden. „Wir müssen wegkommen von der Krisenstruktur. Es geht künftig nicht mehr darum, wann sich die nächste Welle aufbauen und wie hoch sie ausfallen wird, sondern mit welchen Vorkehrungen sie vom Gesundheitssystem abgefedert werden kann. Denn Wellen werden wir künftig regelmäßig haben.“ Peter Klimek im Interview.

Die Presse: Anfang Juli sagten Sie für den August 30.000 bis 70.000 Neuinfektionen pro Tag voraus, wiesen aber auch auf Unsicherheiten hin und meinten, dass wir erst Mitte Juli detaillierte Prognosen stellen können. Und, wie sieht es aus?