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Expedition Europa

Sollen die Griechen doch mehr kriegen

Vor dem Berlaymont-Gebäude, dem Hauptquartier der Kommission.
Vor dem Berlaymont-Gebäude, dem Hauptquartier der Kommission.Unkel, Rainer / SZ-Photo / picturedesk
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Eine belgische Beamtin der Kommission zeigt sich unserem Kolumnisten gegenüber begeistert vom Wiederaufbaufonds. Die EU-Länder seien solidarisch. Und wer zahlt all das Geld zurück? Da müsse sie erst recherchieren.

Nach Jahren endlich wieder in Brüssel. Ich will die Scharnierstelle sehen, von der aus die Dreiviertelbillion Euro verteilt wird, auf die sich die EU-Spitzen 2020 zwecks Bewältigung der Pandemiefolgen verständigt haben. Der Fonds heißt offiziell „NextGenerationEU“, wird aber in jeder Sprache ganz anders genannt, auf Deutsch meist „Wiederaufbaufonds“. Ich halte ihn für einen revolutionären Schritt in der Evolution der europäischen Integration: Erstmals tut die Europäische Kommission, was sie bislang nicht durfte – sie nimmt Schulden auf und verteilt das Geld zentral kontrolliert an die Mitgliedsstaaten. Zum Abstottern dieser Anleihen wird die EU erstmals eigene, heute noch unbekannte Steuern einheben dürfen. Da man sich zum Zurückzahlen bis 2058 Zeit lässt, ist „NextGenerationEU“ gar kein schlechter Name.

Die Hauptstadt hat sich kaum verändert. Die Gehsteige sind bucklig wie eh und je. Die europäische Gastronomie hat sich kaum weiter ins Afrikanerviertel Matongé reingefressen, dafür wurde die Schaufenster-Prostitution am Nordbahnhof mit neuen Cafés aufgelockert. Die Brasserie Verschueren, in der früher ein linker Ex-Terrorist (Bank gesprengt) kellnern durfte, atmet weiter ihre heiter-widerborstige Atmosphäre.