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Mineralien

Wo kamen die Steine her?

Rekordhalter bei den „Rezepten“: Pyrit vulgo Narrengold kann auf 21 verschiedenen Wegen entstehen.
Rekordhalter bei den „Rezepten“: Pyrit vulgo Narrengold kann auf 21 verschiedenen Wegen entstehen.(c) John Cancalosi/Picturedesk.com
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Eine neue Einteilung der Mineralien stützt sich nicht auf Chemie und Kristallstruktur wie die herkömmliche, sondern auf die jeweilige Entstehung.

Spheniscidit heißt ein Mineral, das es nur auf Elephant Island in der Antarktis gibt, und auch dort nur unter einem Brutplatz von Pinguinen, Spheniciformes. Von denen hat es seinen Namen: Die Vögel haben zu seiner Entstehung beigetragen, mit ihrem Urin, der mit Silikaten im Boden reagiert. So exotisch das auch klingen mag, es gibt noch 71 andere Mineralien, die ihre Existenz den Ausscheidungen von Vögeln oder Fledermäusen verdanken, eines entsteht gar beim Verrotten von Kakteen in Mexiko. Weitere 77 „Biomineralien“ werden von Lebewesen eigens gebaut, sie bieten Korallen, Muscheln und Schnecken Behausung, Gras – mit eingelagerten Steinchen, Phytolithen – etwas Schutz vor gefräßigen Mäulern, und bei uns härten sie Knochen und Zähne und lassen uns das Gleichgewicht halten, mit Otolithen, Steinchen im zuständigen Sinnesorgan in den Ohren.

All das zusammen bildet natürlich nur einen marginalen Teil der 5659 Mineralien der Erde, die von der International Mineralogical Association (IMA) katalogisiert sind (und zu denen jedes Jahr um die hundert neu entdeckte dazukommen). Aber wenn man den Beitrag des Lebens zur Genese von Gesteinen weiter fasst – und den früh von Algen und Bakterien produzierten Sauerstoff miteinbezieht –, ist man schon bei 2000, fast einem Drittel der Mineralien. „Ohne Biologie hätten sie nicht entstehen können“, erläutert Robert Hazen (Carnegie Science Earth and Planets Laboratory), der seit Jahrzehnten in der Gesteinskunde immer neue Überraschungen schürft und nun gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Shaunna Morrison eine völlig neue Einteilung der Mineralien vorschlägt, die die traditionelle ergänzen soll: Die „paragenetische“, die erhellt, wie und wann jedes Mineral entstanden ist.