Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Zum Tod von Stefan Soltesz

Der ungarische Dirigent, langjähriges Mitglied der Wiener Staatsoper, starb 73-jährig am Pult während einer Richard-Strauss-Aufführung in München.

Er starb den spektakulärsten Dirigententod: Am Pult des Bayerischen Staatsorchesters im Münchner Nationaltheater ist Stefan Soltesz während einer Festspielaufführung von Richard Strauss' "Schweigsamer Frau" zusammengebrochen. Er starb kurz darauf.
Soltesz war 73 Jahre alt. Seine Musiker-Laufbahn war eng mit dem Wiener Musikleben verbunden. 1949 in Nyíregyháza (Birkenkirchen) geboren, war er im Zuge des ungarischen Aufstands nach Wien gekommen. Hier akzeptierte ihn der legendäre Dirigenten-Ausbildner Hans Swarowsky und Soltesz studierte nebenher an der Akademie, der heutigen Musik-Universität, auch Komposition, um sich, dieserart wohl vorbereitet, der Theater-Praxis zuzuwenden.

"Klassische" Karriere

In seiner Generation machten kaum noch Dirigenten eine dermaßen stetige Karriere, wie sie einstmals als selbstverständlich gegolten hatte. Stefan Soltesz lernte sein Handwerk wirklich von der Pike auf, um in die musiktheatralischen Führungspostionen hineinzuwachsen. Zunächst war er Korrepetitor an der Wiener Staatsoper, von wo aus er nach zwölf Spielzeiten als Kapellmeister nach Hamburg und dann an die Deutsche Oper Berlin wechselte. Von den späten Achtzigerjahren an übernahm Soltesz die Position des Generalmusikdirektors in Braunschweig und Antwerpen/Gent.
Ab 1997 trug Stefan Soltesz Verantwortung als alleinverantwortlicher Intendant, wofür ihm die Rezensenten jeweils Rosen streuten: Das von ihm bis 2013 geführte Aalto-Theater in Essen schaffte es in der traditionellen deutschen Kritikerumfrage nach einem Jahrzehnt der konsequenten Aufbauarbeit zum "Opernhaus des Jahres". Seine Essener Philharmoniker wurden gleich zweimal, 2003 und 2008 zum Orchester der Jahres gekürt.

Wiener Anfänge

Als Gastdirigent holten ihn die großen Häuser in Hamburg, Berlin, Frankfurt und Köln, das Bolschoitheater Moskau, Zürich, Genf, London und Paris. Aber auch in Fernost oder im Teatro Colon von Buenos Aires war Soltesz zu Gast. Auftritte in der Wiener Staatsoper bedeuteten für ihn dennoch immer so etwas wie eine Heimkehr. Den Korrepetitor Soltesz hatte schon sein erster Direktor, Rudolf Gamsjäger, ans Pult des Staatsopernorchesters geholt: Beginnend mit, wie hätte es anders sein können, der "Puppenfee" im Dezember 1972 war Stefan Soltesz der vermutlich meistbeschäftigte Dirigent für Ballettvorstellungen im Haus am Ring.

Von Baryschnikow bis Bumbry

Auch prominente Gäste wie Rudolf Nurejew schätzten Soltesz als einen Mann, der es verstand, die oft eklatant von den Angaben der Komponisten abweichenden Tempovorstellungen der Tänzer mit einer trotz allen Konzessionen stimmigen Wiedergabe der Musik auszutarieren. So holte man Soltesz auch ans Dirigentenpult, als es galt, die wenigen Auftritte eines Mikhail Baryschnikow in Wien zu begleiten.
Ähnliche Tugenden sind ja auch vom Opernkapellmeister gefordert, der im Repertoire mit damals noch häufig wechselnden Besetzungen - und entsprechend nötigen Modifikationen en détail - bestehen wollte. Diesbezüglich profitierte die Staatsoper bald von Soltesz' Sensibilität; und er von der Möglichkeit, sich mit jungen Sängern ebenso auszutauschen wie mit gastierenden Weltstars.
Sängerprominenz von Lucia Popp über Grace Bumbry bis Dietrich Fischer-Dieskau hat ihm vertraut und ging mit ihm ins Plattenstudio, um Solorecitals oder ganze Opern aufzunehmen. Sammler behalten den Künstler dank seiner Einspielungen von Raritäten in guter Erinnerung, von Mendelssohns Schauspielmusiken zu "Antigone" und "Ödipus" bis zu Alexander von Zemlinskys "Kreidekreis".