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Salzburger Festspiele

Ouverture spirituelle: Von den Wunden der Menschheit

(c) Salzburger Festspiele/MarcoBorrelli
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„In memoriam“: Musikalische Monumente für unschuldige Opfer von Krieg und Diktatur mit Igor Levit, dem Hagen Quartett und „musicAeterna“ im Mozarteum.

Für die eigenen Ideale zu sterben mag den Tapfersten und ihren Anhängern ein Trost sein und dem Opfertod Sinn und Wirkkraft verleihen. Was aber ist mit jenen, die ungefragt-unschuldig ums Leben gebracht wurden? Ein weiteres, im besten Sinn des Wortes merkwürdiges Konzert in dieser Ouverture spirituelle zum Thema „Sacrificium“ schien diese Frage aufzugreifen, anhand musikalischer Ausgestaltungen von vier Wunden, die sich die Menschheit im 20. Jahrhundert selbst zugefügt hat.
Die erste Wunde: der zerstörerische Luftangriff auf die baskische Stadt Guernica 1937 durch die berüchtigte geheime deutsche Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg. Paul Dessau hat das Grauen 1938, auch mit Blick auf Picassos Gemälde, in einem Klavierstück nachempfunden, in freier Zwölftontechnik: abstrakt, aber expressiv, herb und doch gefühlvoll.

Auf dergleichen scheinbare Widersprüche versteht sich Igor Levit besonders. Ganz in die emotionalen Vollen ging er dann bei Karl Amadeus Hartmanns Klaviersonate „27. April 1945“: Das Datum steht exemplarisch für die zweite Wunde. Hartmann, der das „Dritte Reich“ in innerer Emigration überdauern konnte, erlebte an diesem Tag den Todesmarsch der Häftlinge des KZ Dachau mit. „In den zwölf Jahren der Nazi habe ich nichts Schrecklicheres gesehen wie dies“, schrieb er. Seine Sonate spiegelt das Unsagbare in vielfacher Brechung und auch Überhöhung wider: Was beinah verträumt à la Debussy beginnt, wächst sich bald zu düsterer Kraft und Größe aus.