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Bayreuther Festspiele

Einhelliger Jubel für "Tristan" in Bayreuth

Bayreuther Festspiele 2022 - ´Tristan und Isolde´
Faszinierende Lichtspiele für Wagners nächtliche Tragödie: Stephen Gould als Tristan.(c) APA/Enrico Nawrath (Enrico Nawrath)
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Die Eröffnungspremiere, „Tristan und Isolde“, in den Augen eines Besuchers im Festspielhaus und in den Ohren des Radio hörenden Musikkritikers.

Erstmals seit dem Eröffnungsjahr 1951 präsentierten die Wagnerfestspiele neben einer Neuinszenierung des „Ring des Nibelungen“ eine weitere Premiere: Angesichts von Ausfällen und Notbetrieb in den Pandemiejahren setzte Intendantin und Komponisten-Urenkelin Katharina Wagner zu einer Kraftanstrengung an und eröffneten die Festspiele mit der kurzfristig anberaumten Neuinszenierung von „Tristan und Isolde“.
Die Seuche machte aber auch der aktuellen Planung einen Strich durch die Rechnung: Pietari Inkinen, der den „Ring“ dirigieren sollte, erkrankte so schwer, dass Cornelius Meister die Aufgabe übernehmen musste. Der ehemalige Chefdirigent des ORF-Orchesters war eigentlich für den „Tristan“ vorgesehen, den nun sozusagen fliegend der Linzer Generalmusikdirektor Markus Poschner übernahm.

Es war nicht zuletzt Poschners Verdienst, dass das riskante Experiment gelang. Eine Bayreuther Premiere ohne einen einzigen Buhruf hat man lange nicht mehr erlebt. Erstaunlicherweise ist es dem Regisseur Roland Schwab gelungen, die Traditionalisten unter den Wagnerianern nicht zu provozieren, aber auch jene bei Laune zu halten, die von einer Festspielproduktion doch neue optische Erfahrungen verlangen.

Personenführung in Wagners Takt

Piero Vinciguerras Bühne arbeitet mit reduzierten, abstrahierenden Mitteln. Den Boden dominiert eine Scheibe, die in fesselndem Lichtdesign immer neue Räume suggeriert, die nach oben zu durch eine elliptische Öffnung den Blick auf den Sternenhimmel frei geben. Während des Abends wuchert die Pflanzenwelt ins ursprünglich karge Ambiente, ein Kinderpärchen erscheint zunächst auf der Szene, im Mittelakt in der höchsten Höhe, abgelöst am Ende durch ein alt gewordenes Ehepaar, das sich liebevoll die Hände reicht – die dezente, aber nie aus Wagners Takt fallende Personenführung lässt all diese Regiezutaten nie kitschig wirken. Sie harmonieren mit dem, was Text und Musik erzählen.