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Leitartikel

Ist Deutschland das Griechenland der Gaskrise?

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APA/AFP/INA FASSBENDER
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Die Deutschen müssen sich ändern. Doch eine EU-Troika, die sie zu Atomstrom und Tempo 100 auf der Autobahn vergattert, droht ihnen nicht.

Können Sie sich noch an den Spruch „pünktlich wie die Deutsche Bahn“ erinnern? Nein? Dann sind Sie entweder zu jung, oder Sie waren länger nicht mit der DB unterwegs und hatten keinen Anlass, den vergangenen Glanz mit dem heutigen Elend zu vergleichen. Der Ruf der technokratischen Kompetenz, den sich die bundesdeutschen Verkehrsplaner mühevoll erarbeitet hatten, ist seit der Jahrtausendwende sukzessive zerbröselt – ebenso wie weite Teile der Infrastruktur.

Als im Juli 2020 der Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums vorrechnete, Deutschland müsse allein in diesem Jahrzehnt 450 Mrd. Euro in Strom, Gas, Wasser, Schiene und Straße investieren, um nicht auf der Strecke zu bleiben, wurde diese Rechnung mit einem freundlich kaschierten Desinteresse zur Kenntnis genommen. Zwei Jahre und eine russische Invasion später wünschen sich vermutlich viele Entscheidungsträger in Berlin, den damaligen Befund etwas genauer studiert zu haben. Denn an diesen Milliardenausgaben führt nun kein Weg vorbei – nur dass die jetzige Rechnung im Gegensatz zu damals, als die Leitzinsen bei null lagen, internationale Anleger dem Finanzminister das Geld nachschmissen und Fachkräfte in ausreichender Zahl vorhanden waren, deutlich höher ausfallen wird.